Zum Pfingstfest dürfen sich die Brandenburger nach langer, coronabedingter Pause zumindest in jenen Gaststätten wieder bewirten lassen, die über einen Außenbereich verfügen. Wir indes wollen, nachdem in unserer Oster-Ausgabe typische Ausflugslokale ihre Visitenkarte abgegeben hatten, nun einige Restaurationen vorstellen, die sich damals – kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges (August 1914) – inmitten unserer Heimatstadt empfahlen. Solche Offerten entdeckten wir in einem Büchlein des Verkehrs-Vereins.

Paul Eschers Gesellschaftshaus

Da ist beispielsweise Paul Eschers Gesellschaftshaus in der St. Annenstraße 8-9 (Fernsprecher Nr. 482) zu nennen. Das „altrenommierte Restaurant“, so hieß es da, verfügt über moderne Säle für Feierlichkeiten aller Art. Die Küche bietet guten Mittagstisch von 12 - 2 Uhr; Speisen à la carte gibt`s zu jeder Tageszeit. Mit einem Pianino (heutzutage besser als Klavier bekannt) im Vereinszimmer, einer „verdeckten" – also überdachten – Kegelbahn und dem großen, an der Havel gelegenen schattigen Garten samt Dampfer-Anlegesteg wusste Restaurateur Escher seine Gäste anzulocken. Geschätzt waren zudem sonntags die Militärkonzerte der hiesigen Kapellen.

Otto Zunker Schweizergarten

Ebenfalls in guter Position sah sich Otto Zunker als Besitzer des Schweizergartens, dem „größten und schönsten Vergnügungs-Etablissement" im Stadtzentrum, nämlich direkt an der herrlichen Grabenpromenade (heutiges Theatergelände, d. Verf.). Ein weiträumiger Garten und der große Konzertsaal lockten da ebenso wie die vorzüglichen Speisen oder gut gepflegten Biere und Weine. Alles zu erreichen binnen nur 7 Minuten von beiden Bahnhöfen bzw. den Dampfer-Anlegeplätzen am Salzhofufer.
Gar mit einer Haltestelle der „Elektrischen" konnte der Viktoriagarten von Witwe E. Seeger in der Jacobstraße auftrumpfen. Das alteingeführte Vergnügungslokal, zu dem u. a. eine Freiluft-Terrasse gehörte, bot zudem vielerlei Speis` und Trank.

Gaststätte Zum Schultheiß

Im „Mittelpunkte der Stadt" (Molkenmarkt 29-30) befand sich die Gaststätte Zum Schultheiß samt Gesellschaftsräumen. Laut Oekonom Fritz Kuhnert das „vornehmste Restaurant". „Diners ab 1,25 M“ waren dort der Clou.
Hinauf noch auf die höchste Erhebung! Das Marienberg-Restaurant (Inhaber Johannes Köhler) in Nachbarschaft von Bismarckwarte und Kriegerdenkmal hatte seine Vorzüge mit einem weithin reichenden herrlichen Ausblick. Terrassen inklusive Sommer- und Winterveranden waren dafür ideal. „Beste Verpflegung zu soliden Preisen" kamen hinzu. Nicht minder attraktiv erwies sich am Fuße des Marienbergs der Königsgarten (Bergstraße 14).

Der Königsgarten in der Bergstraße

Dort versprach Gastronom R. Franz besten Aufenthalt, ob im stufenförmigen Freigelände oder in Saal und Gesellschaftszimmern, ergänzt von Kegelbahn sowie Kinderspielplatz. Nur wenige Meter weiter wussten sich die Gäste auf Ahlerts Berg, „dem größten und ältesten Konzertlokal unserer Stadt", ebenfalls gut bewirtet und unterhalten. Dazu trugen wohl die „anerkannt vorzüglichen Speisen wie auch Getränke" bei (z. B. Biere aus der Berliner Bockbrauerei). Über den Ruf Nr. 88 konnten vorab Plätze reserviert werden.