Fast frühlingshaft zeigt sich an diesem Wochenende das Wetter in unserem Brandenburg. Da ist die winterliche Etappe, die zwischen dem 6. und 15. Februar endlich einmal wieder Fröste, Eis und Schnee brachte, schon fast vergessen. Und das, zumal sich der Ablauf hier im Havelland keineswegs extrem gestaltet hatte oder gar, wie von den meisten Medien als chaotischer Winter tituliert, etwa in die Annalen eingehen dürfte.

Eiseskälte und Schneesturm

Da war beispielsweise diese Jahreszeit anno 1978/79 von ganz anderer Natur. So trumpfte der „harte Geselle“ damals nach fast obligatorischem Weihnachts-Tauwetter sofort wieder mächtig mit Frost und Schnee auf. Eingeleitet am 29. Dezember von ungewöhnlich intensivem Eisregen, der zu einem dicken Panzer wie aus Zuckerguss führte (Dauer: 36 h – so notiert vom Meteorologe Günter Jungnickel auf dem Flugplatz Briest), stürzte die Temperatur am Silvestertag 1978 auf -18 Grad (!) bzw. gar -25° am Erdboden. Ein selten starker Schneesturm mit bis zu 65 km/h (doch kein Vergleich zur entstandenen Winterkatastrophe an den Küsten) tat zudem sein Übriges.

Strom- und Heizungsausfälle

In unserer Stadt erreichte die „weiße Pracht“ bald bis zu 25 cm, hohe Verwehungen gab es im Umland. Nunmehr fast sibirische Verhältnisse sorgten in Windeseile für weiteres Ungemach, ja, sie hatten verheerende Wirkung. Brach doch in den allermeisten Brandenburger Stadtgebieten an diesem Silvesterabend die ohnehin oft instabile Stromversorgung zusammen. So wurden u. a. in zahlreichen Tanz- und Klubgaststätten die Besucher aus Sicherheitsgründen kurzum auf den Heimweg geschickt. Und zu Hause fanden sie sich noch vor dem Jahreswechsel im Dunkeln wieder. Wer Mieter einer ferngeheizten Wohnung in Teilen von Brandenburg-Nord war, saß alsbald im Kalten.

Briketts werden zur Mangelware

Zum Beginn des neuen Jahres – es blieb vorerst wahrlich eisig – mussten viele Betriebe, Handels-, Dienstleistungs- sowie Handwerksfirmen pausieren oder sie arbeiteten nur stundenweise. Dem großen SWB mangelte es zudem an Schrott. Überall fehlten Elektroenergie sowie Brennstoffe (Problem: Braunkohlentagebau). „Nur jene Haushalte erhalten eine Teilmenge von Briketts, die keinen Vorrat mehr im Keller haben“, so in der Lokalpresse die Order aus der kommunalen Abteilung Handel und Versorgung. Kohlen waren nämlich kontigentiert (Bezugsscheine) bzw. – falls verfügbar – für mehr Geld (HO-Preis) bestellbar. Sie sollten, so ein Appell, lose abgenommen oder per Handwagen (!) geholt werden.

Einschränkungen in allen Lebensbereichen

Hamstereinkäufe erlebten die HO- und Konsumgeschäfte: Grundnahrungsmittel wie Mehl, Brot, Dauerbackwaren, Milch, Butter oder Hülsenfrüchte, zudem die bei Stromsperren so wichtigen Kerzen, waren die Renner. Kinos, Theater und das Stadtbad blieben zu, Straßenlampen leuchteten nur an den Knotenpunkten. Die Elektrische rollte – wenn überhaupt – mit wenigen Wagen auf Teilstrecken. Probleme zugleich bei den Bus-Überlandlinien sowie für die Reichsbahn. Fremdfirmen mussten helfen, die Gleise zu beräumen (bis zu 35 cm Schnee). Selbst die „Freunde“ aus der Sowjetgarnison waren zur Stelle. Bis zum Februar-Ausklang dominierte 1979 dieser Winter. An ihm hatte die DDR-(Mangel-)Wirtschaft lange „zu knabbern“...