Heute setzt BRAWO seinen in loser Folge erscheinenden Rückblick auf das Leben und Geschehen in unserer Havelstadt aus der jüngeren Vergangenheit fort. Damit soll etwa die DDR-Epoche keinesfalls verherrlicht werden. Schlagen wir nun die „Brandenburgischen Neuesten Nachrichten“ auf, diesmal den Februar 1967, um auszugsweise einen Bericht über das hiesige Sauerstoffwerk wiederzugeben.

 Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Knapp zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hatte am 22. Februar 1947 das Sauerstoffwerk Brandenburg auf dem Gelände zwischen Silokanal und Magdeburger Landstraße in äußerst bescheidenem Umfang mit seiner Produktion begonnen. Dort, wo sich ab 1952 in unmittelbarer Nachbarschaft das Stahl- und Walzwerk ausdehnte, konnten die damals nur 12 Beschäftigten mit einer Kleinanlage stündlich gerade einmal 70 Kubikmeter des von Industrie und Medizin so dringend benötigten Gases erzeugen. „Jetzt, 20 Jahre später, verweisen Betriebsleiter Fleischmann, der von Beginn an dabei ist, und seine 125 Mitstreiter auf eine beachtliche Entwicklung“, hieß es im Februar 1967.

Imposante Entwicklung setzte ein

Hatte man sich zunächst von auswärtigen Chemiefirmen zusätzlich komprimierten Sauerstoff beschafft ­– jährlich bis zu 1,3 Millionen Kubikmeter –, so entstand schließlich 1955 in Brandenburg eine zweite Produktionsanlage. Ihre Stundenleistung lag bei 200 m³. Fortan konnten auch die großen Abnehmer besser beliefert werden, zumal es in Kirchmöser gelang, eine Station deutlich zu erweitern. Überdies bezog das (noch) kleine Werk unweit der Quenzbrücke inzwischen flüssigen Sauerstoff aus Piesteritz und übernahm mehrere Anlagen in Babelsberg. Mit dem 1961 für acht Millionen Mark erfolgten Aufbau des neuen Standortes in der hiesigen Friedrich-Engels-Straße setzte eine imposante Entwicklung ein. Die Leistungskraft wurde erheblich gesteigert, fortan komplettierten Stickstoff – komprimiert bzw. flüssig – sowie Pressluft das Produktionsprogramm.

Großabnehmer bis Magdeburg und an die Ostseeküste

„Zu den Großabnehmern gehören heutzutage (1967, d. Verf.) in Brandenburg das SWB, das Getriebewerk, der Stahlbau sowie das Werk für Gleisbaumechanik (...). Die drei erstgenannten Firmen werden über eine Verbundleitung versorgt“, war weiter in den „BNN“ zu lesen. Als vorteilhaft habe sich der schon Anfang 1964 erfolgte Zusammenschluss des Betriebes mit mehreren gleichartigen Produzenten – so in Magdeburg und an der Ostseeküste – zum Werk Technische Gase (TEGA) Brandenburg erwiesen. Der Bericht der Lokalzeitung klang mit dieser optimistischen Ankündigung aus: Dort, unweit des Klingenbergs auf dem inzwischen erheblich erweiterten Gelände, ist mit dem Bau einer aus drei leistungsstarken Stationen bestehenden Sauerstoff-Großanlage (Stundenkapaziät insgesamt 9000 m³) begonnen worden. Dieses bedeutende Vorhaben werde bis spätestens 1968 ergänzt durch eine zum Premnitzer Chemiefaserwerk führende Stickstoff-Ferntrasse, hieß es weiter.