Sie pflegt seit elf Jahren engen Kontakt zur HWK Potsdam und hat gemeinsam mit den Ausbildern schon so manch zurückhaltenden Schüler beim Praxislernen "aufblühen" sehen. "Für manche Schüler ist diese Woche eine absolute Chance, zu zeigen, was in ihnen steckt und zu glänzen. Immerhin ist nicht jeder ein Theoretiker. Deshalb ist das Praxislernen auch für die Lehrkräfte wertvoll. Sie erleben ihre Schützlinge einmal von einer ganz anderen Seite", betont Eckhardt, die an der Nicolaischule seit Anfang der Neunzigerjahre deshalb mittels verschiedener Maßnahmen, alles daran setzt, den Jugendlichen frühestmöglich berufliche Orientierung zu bieten.
Ein Anliegen, das Rita Müller, Teamleiterin Fachkräftesicherung der HWK Potsdam, nur unterstützen kann. "Es gibt allein im Handwerk an die Hundert Berufe. Dazu kommen die verschiedenen Karrieremöglichkeiten, die sich nach der Ausbildung bieten. Die Schüler da ein Stück weit an die Hand zu nehmen, haben wir uns zur Aufgabe gemacht", so Müller.  14 Schulen im Land Brandenburg nutzen mittlerweile  über das Jahr verteilt das Angebot "Praxislernen in Werkstätten" der HWK Potsdam, je nach Möglichkeiten der Schule für ein oder zwei Wochen. Die Erfahrungen mit dem durch Mittel des Europäischen Sozialfonds des Landes Brandenburg, der Agentur für Arbeit und der HWK finanzierten Projektes sind dabei durchweg positiv. "Wir haben durchaus schon den einen oder anderen Schüler, der beim Praxislernen dabei war, hier als Azubi oder auch Meister wiedergesehen. Dabei konnten wir immer wieder feststellen, dass diejenigen, die uns schon aus der Schule kannten, sich hier vertrauter bewegt haben und sich oft gut an ihre damaligen Ausbilder erinnerten", berichtet Müller weiter. Sie betont in diesem Zusammenhang, dass sich über das Praxislernen für die Schüler auch die Möglichkeit biete, ins "Erwachsenenleben" hinein zu schnuppern. Tatsächlich beginnt das schon mit dem Arbeitsweg. Gegen sieben Uhr morgens reisen die Nicolaischüler per Regionalexpress von Brandenburg nach Götz. Die Kosten für die Fahrkarten werden dabei von der Stadt Brandenburg übernommen. Angekommen in den Werkstätten geht es dann weiter mit einem Arbeitsalltag, wie er die Jugendlichen auch in der Ausbildung erwarten würde – etwa bei Mario Gläser.
Er leitet die Werkstatt der Kunststoffverarbeitung in Götz und hat bei den Praxistagen zehn Jungen im Alter von 13-14 Jahren vor sich sitzen. Dementsprechend forsch muss der Ton manchmal sein. "Wir klären hier ganz grundsätzliche Dinge, auch zum Arbeitsschutz. Eine gewisse Aufmerksamkeit muss da schon sein", so Gläser, der am Ende der Woche mit den Schülern jedoch ein tolles Resultat erzielt: jeweils eine selbstgemachte Stiftebox und eine Handyhalterung haben auf ihrem Schreibtisch ab sofort Platz – oder können als Weihnachtsgeschenk weiter verschenkt werden.
Noch wichtiger ist jedoch: jeder Nicolaischüler ging nach einer Woche Praxislernen mit einer Idee davon nach Hause, welche beruflichen Möglichkeiten sich für ihn ganz persönlich bieten und was nicht in Frage kommt. Denn auch das, ist für Handwerkskammer und Schüler ein Gewinn.