Erinnern Sie sich noch an das Leben und Geschehen vor 50 Jahren in unserer Havelstadt und ihrer Umgebung? BRAWO setzt heute seinen in loser Folge erscheinenden Rückblick fort, ohne damit etwa diese DDR-Epoche verherrlichen zu wollen. Schlagen wir deshalb erneut die „Brandenburgischen Neuesten Nachrichten“ auf, um auszugsweise einen Bericht über „Brieletta“ wiederzugeben. Übrigens, geschrieben auch damals bereits vom Verfasser des heutigen Beitrages!

Eigenname „Briletta“ hatte guten Ruf in der DDR

Als Produzent von Boxpaletten hat sich der wohl besser unter „Brieletta“ bekannte heutige Maschinen- und Gerätebau Brielow längst einen guten Ruf weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus erworben. Die 80 Produktionsarbeiter in den Werkhallen am Nordrand unserer Stadt fertigen diese gefragten Behälter in zwei verschiedenen Typen. „Wir sind übrigens der größte Lieferant innerhalb der DDR. Die benötigten Materialien erhalten wir u. a. aus Riesa, Olbernhau sowie aus dem Eisenhüttenkombinat Ost“, berichtete uns Produktionsdirektor Bathe.

Boxpalette A als Renner auf dem Markt

Von der Deutschen Reichsbahn werden die geschlossenen Paletten bevorzugt, sind sie doch als Austauschbehälter bestens geeignet (...). Regelmäßig erscheinen Gutachter des vorgenannten Abnehmers, um sich in Brielow von deren Qualität zu überzeugen. Mittlerweile schon in fast allen Wirtschaftszweigen ist die Boxpalette des Typs A gefragt, so insbesondere für die Lagerhaltung. Von beiden der vorgenannten Ausführungen werden jährlich annähernd 100 000 Stück aus Brielow zum Versand gebracht. „Brieletta“ verfügt über einen Gleisanschluss zum Bahnhof Altstadt, war zudem bis 1964 per Schiene der Westhavelländischen Kreisbahn mit Päwesin verbunden.

Brandenburg an der Havel

Mit modernem Gerät aufgerüstet

„Nachdem wir schon seit geraumer Zeit für die Matten der A-Paletten das Punkt-Schweißverfahren praktizieren, werden seit April dieses Jahres (1970, d. Verf.) die Füße der für die Reichsbahn bestimmten Behälter automatisch geschweißt. Zu diesem Zweck erwarben wir für jeweils 60 000 Mark zwei moderne Automaten. Sie gewährleisten eine weitere Produktionssteigerung sowie zugleich noch bessere Qualitäten“, konstatierte unser Gesprächspartner.

Neue Techniken für moderne Produktionsbedingungen

Eine andere Neuerung im Werk zielt darauf ab, alsbald das Tauchlackierverfahren für die offenen Paletten anzuwenden. Diese zeitsparende Methode wird es ermöglichen, etliche der 300 Arbeitskräfte künftighin dann in andere Betriebsbereiche umzusetzen. Gleichzeitig kündigte Produktionsdirektor Bathe gegenüber „BNN“ an, dass es Bestrebungen gibt, in den Werkhallen bald auch die international-gebräuchlichen Pool-Paletten zu bauen. Entsprechende Verhandlungen mit der Reichsbahn seien bereits eingeleitet. Diese Behälter lassen sich bei unveränderter Grundfläche (800 x 1200 mm) noch vielseitiger einsetzen.
Die Brielower Industriegeschichte begann Anfang der 1940-er Jahre mit einer Außenstelle der Arado-Flugzeugwerke zum Fertigen von Leitwerken sowie Motorverkleidungen. Nach dem Krieg erfolgten die Demontage des Maschinenparks und der mühselige Neustart – zunächst mit dem Bau landwirtschaftlicher Geräte wie Pflüge, Eggen, Sensen. Sodann setzte der volkseigene Maschinen- und Gerätebau „Brieletta“ die Maßstäbe. Nach 1964 erfolgtem Zusammenschluss mit dem Blechverformungsbetrieb Brandenburg (Krakauer Straße, einstige Keksfabrik!) lieferte man bis 1994 neben Box- und Poolpaletten auch Gabel(hoch)hubwagen. Der „Nachfolger“: ein modernes Schweißdraht-Werk unter wechselnden Eigentümern. Das Aus kam Mitte 2018, Entlassung der verbliebenen 40 Industriearbeiter.