Seit 2008 befindet sich im ehemaligen Paulikloster in der Neustädtischen Heidestraße 28 das Archäologische Landesmuseum Brandenburg und bewahrt mit etwa 10.000 Exponaten einen bedeutenden Schatz der kulturhistorischen Geschichte des Landes Brandenburg. Darunter: Ein Geweihgerät aus „Wustermark 22“, Landkreis Havelland.
Der Fundplatz „Wustermark 22“ im Havelland ist in Fachkreisen bestens bekannt. Das Areal liegt auf einem halbinselartigen Geländesporn, in dessen unmittelbarer Nähe der Havel-Kanal verläuft. Ein verlandeter Rinnensee lag einst am Rande des heutigen Kanals.

Siedlungsspuren freigelegt

Im Zuge mehrwöchiger Grabungsarbeiten im Jahr 1999 konnten hier Siedlungsspuren verschiedener Zeitabschnitte freigelegt werden. Nach dem Abtragen bis zu 1,70 m mächtiger Torfablagerungen stießen die Archäologen schließlich auf den ältesten Fundhorizont. Die hier geborgenen Artefakte aus Knochen, Elfenbein, Geweih und Feuerstein sowie von Menschenhand zerkleinerten Wildtierknochen wiesen die Fundschicht in den Übergang von der Altsteinzeit zur Mittleren Steinzeit vor etwa 12.500 bis 11.300 Jahren.

Ein Gerät aus Elchgeweih

Knochenspitzen und Angelhaken deuten darauf hin, dass vor Ort gejagt und gefischt wurde. Einen Überraschungsfund stellte jedoch ein Gerät aus Elchgeweih dar. Das etwa 20 cm lange Stück läuft in eine Klinge aus, während das Ende des Geräts leider nicht erhalten ist. Die Oberfläche des Artefakts wurde sorgfältig geglättet. Aufgrund der fehlenden Endgestaltung muss offen bleiben, ob das Gerät gelocht oder geschäftet war oder ob es mit der Hand geführt wurde. Somit bleibt auch die Zuordnung des Stückes verschwommen: Es könnte sich um eine Hacke oder ein Beil handeln, aber auch ein bisher nicht bekannter Gerätetyp ließe sich vermuten.

Feine Ritzverzierung

Auffällig ist die feine Ritzverzierung aus gebündelten Zickzacklinien, die auf der Höhe der Klinge angebracht ist. Eine weitere, kaum noch erkennbare Verzierung findet sich nahe der Bruchstelle im Nacken. Über die Bedeutung der Zickzacklinien und den Grund ihres Anbringens lässt sich nur spekulieren. Ethnologische Vergleiche zeigen, dass Verzierungen meist mehr als reine Dekoration sind. Nicht selten wird Ornamenten magische Wirkung zugesprochen, die ein Gerät z. B. wirksamer machen sollen. Auch symbolhaft verschlüsselte Botschaften sowie die Zählung von Dingen oder Ereignissen können sich hinter Verzierungen verbergen.

„Kunst am Knochen“

Aus archäologischer Sicht lässt sich feststellen, dass die Ritzlinien bereits den geometrischen Mustern der Mittleren Steinzeit ähneln und eher untypisch für altsteinzeitliche Gruppen sind.
Generell ist „Kunst am Knochen“ für die ausgehende Altsteinzeit in Brandenburg selten belegt. Möglicherweise hatten die umherstreifenden Jäger und Sammler schlichtweg nicht die Zeit, sich derartigen Tätigkeiten zu widmen.