Seit 2008 befindet sich im ehemaligen Paulikloster in der Neustädtischen Heidestraße 28 das Archäologische Landesmuseum Brandenburg und bewahrt mit etwa 10.000 Exponaten einen bedeutenden Schatz der kulturhistorischen Geschichte des Landes Brandenburg. Ein Jahr lang lüften besondere Exponate in dieser neuen BRAWO-Serie ihr Geheimnis, wollen mitnehmen auf eine Zeitreise und auch einladen, – sofern wieder möglich – das Landesmuseum in der Stadt Brandenburg zu besuchen.

Teil XI: Ein Keulenkopf aus Criewen in Schwedt/Oder

Im Jahr 1958 spielten Kinder auf einer Geländekuppe am Lauf der Alten Oder bei Criewen. Hierbei stießen die überraschten Schüler auf menschliche Knochen. Die sterblichen Überreste wurden 1961/62 fachgerecht vom Museum für Ur- und Frühgeschichte, unter der Leitung von Horst Geisler, freigelegt und untersucht.
Es fanden sich zwei, teilweise gestörte Bestattungen, die auf der Kuppe des Rollmannsberges eingetieft waren. In beiden Fällen barg man ein von Rotsand umgebenes Männerskelett in gestreckter Rückenlage mitsamt diversen Beigaben.

Bald 7.000 Jahre alte Funde

Auf den ersten Blick folgen beide Befunde der Beisetzungstradition mesolithischer Jäger und Sammler. Radiokarbonanalysen datieren beide Gräber auf 4.700 bis 4.500 v. Chr., und somit in die Übergangsphase zwischen Mittel- und Jungsteinzeit.
In dieser Zeit war das heutige Brandenburg dicht bewaldet. Mobile oder semi-sesshafte Gruppen von Jägern, Sammlern und Fischern lebten in diesen Weiten. In Gebiete mit fruchtbaren Lößböden wanderten nun erste Ackerbauern und Viehzüchter ein, die sich hier permanent niederließen. Über viele Generationen lebten mittelsteinzeitliche Jäger und Sammler und die jungsteinzeitlichen Dorfbewohner nebeneinander her – doch nicht ohne Kontakte, wie es scheint.

Mit Knochendolch und Feuersteinklinge

Ein Beleg hierfür könnte Grab 1 aus Criewen sein. In ihm lag ein etwa 25-jähriger Mann, dem man einen Knochendolch und eine Feuersteinklinge mitgegeben hatte. Weiterhin fanden sich 36 durchlochte Schneckengehäuse, die einst als Kleiderbesatz gedient haben dürften. Zu den Grabbeigaben gehörte auch ein Keulenkopf aus hellem, mamorähnlichem Kalkstein.
Dieses apfelförmige, mittig durchbohrte Artefakt misst 7,5 cm in der Breite und 5,8 cm in der Höhe. Reste einer Schäftung sind nicht erhalten, doch ist eine rezente Bruchnaht erkennbar. Steinerne Keulenköpfe sind aus mittel- sowie aus jungsteinzeitlichen Kontexten bekannt.

Waffe und Statussymbol

Meist werden sie als schlagkräftige Waffen, aber auch als Statussymbole und Arbeitsgeräte gedeutet. Marmorne Keulenköpfe sind jedoch untypisch für das Mesolithikum und weisen in die Rössener Kultur, in der bereits sesshafte Gruppen Ackerbau und Viehzucht betrieben. Ihren Verbreitungsschwerpunkt hat diese neolithische Kultur in Mitteldeutschland, doch reichen versprengte Ausläufer bis in die Uckermark. So werden beispielsweise zwei geglättete Marmorarmringe aus einem Grab in Grünow bei Prenzlau ebenfalls als Rössener Einfluss gedeutet.

Kontakte noch nicht nachvollziehbar

Wie der Keulenkopf in den Besitz und schließlich in das Grab des jungen Mannes gelangte, wird sich nicht mehr klären lassen. Die Kontakte und den wechselseitigen Einfluss zwischen mesolithischen Jägergruppen und frühen Bauern werden zukünftige Forschungen jedoch mit Sicherheit weiterverfolgen.