Seit 2008 befindet sich im ehemaligen Paulikloster in der Neustädtischen Heidestraße 28 das Archäologische Landesmuseum Brandenburg an der Havel und bewahrt mit etwa 10.000 Exponaten einen bedeutenden Schatz der kulturhistorischen Geschichte des Landes Brandenburg. Ein Jahr lang lüften besondere Exponate in dieser neuen BRAWO-Serie ihr Geheimnis, wollen mitnehmen auf eine Zeitreise und auch einladen – sofern wieder möglich – das Landesmuseum in der Stadt Brandenburg zu besuchen.

Am 27. Februar 1876 machte ein Arbeiter beim Roden von Baumstümpfen im „Sandanger“ genannten Forststück bei Niederlandin eine ungewöhnliche Entdeckung. In etwa 20 cm Tiefe stieß er auf eine Steinplatte, die in der Erde lag. Darunter bemerkte der neugierig gewordene Mann einen beschädigten Tontopf, in welchem grün patinierte Silberstücke lagen. Auch Reste eines Tuches oder Beutels aus Leinen sollen noch sichtbar gewesen sein.

Ein großer Schatz aus vielen Kleinigkeiten

Die gesamte Niederlegung enthielt neben zum Teil fragmentierten Ohrringen, Fingerringen, Teilen eines Silberbeschlags auch so genannte Wendenpfennige und andere Münzen aus verschiedenen europäischen Prägeorten. Die bei älteren Schatzfunden so häufigen arabischen Münzen fehlen hingegen gänzlich.
Auffälligstes Element ist ein großer Silberhalsring. Das ca. 83 Gramm schwere Schmuckstück ist aus 12 paarweise miteinander verdrehten Silberdrähten gefertigt. Den Verschluss bilden angelötete Endplatten mit Haken und – heute leicht beschädigter – Öse, welche mit unterschiedlichen Punzverzierungen bedeckt sind. Ein kleiner geflochtener Ring wurde dem Stück, womöglich als zusätzliche Zier, aufgesteckt.

Versteckter Schatz aus dem 11. Jahrhundert

Das Verbergen des Schatzes, der ein Gesamtgewicht von etwa 1300 Gramm hatte, lässt sich in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts und somit in die spätslawische Zeit datieren.
Der zum Teil absichtlich zerkleinerte Schmuck wird als Hacksilber bezeichnet. Das portionierte und als Zahlungsmittel verwendete Silber gelangte im 10. und 11. Jahrhundert besonders häufig in vergrabene Schatzfunde. Auch gewundene Silberhalsringe kennen wir nahezu ausschließlich aus derartigen Zusammenhängen.

Hacksilberschatz in Dauerausstellung

Wir wissen nicht, wer aus welchem Grund diese Reichtümer einst vergraben hat. Möglicherweise machte es die unsichere Zeit notwendig, Hab und Gut zu verstecken. Dass das Silber nie wieder gehoben wurde, lässt ein beklemmendes Schicksal seiner Besitzer vermuten.
Heute sind noch erhaltene Teile des Hacksilberschatzes in der Dauerausstellung des Archäologischen Landesmuseums Brandenburg zu sehen.