In einem Interview gibt Maik Aumann, Cheftrainer des FC Stahl Brandenburg, Auskunft über die augenblickliche Situation beim Landesligisten.

Hallo Herr Aumann, schön, dass sie sich die Zeit nehmen um uns ein wenig auf dem Laufenden zu halten. Wie verbringen Sie persönlich die coronabedingte fußballfreie Zeit?

In gewisser Art und Weise hat mir die Zwangspause auch ein wenig in die Karten gespielt. Somit bin ich mit dem Bau meines Hauses deutlicher voran gekommen, als vorher gedacht. Natürlich freut sich auch meine Familie, ungewöhnlich viel Zeit mit mir verbringen zu können. Aber der Fußball fehlt schon brutal, gerade wenn man es gewohnt ist, vier bis fünf Mal wöchentlich auf dem Platz zu stehen. Ich bewege mich viel und arbeite an meiner körperlichen Fitness. Nicht zuletzt versuche ich mich auch als Trainer weiter zu bilden, ob per Podcast oder Bücher. Extrem aufschlussreich ist für mich, da ich viel Fußball im TV schaue zu beobachten, wie andere Mannschaften mit oder gegen den Ball arbeiten und was sie für ein Plan verfolgen.

Aufgaben stellen

Das Thema um den Virus Covid-19 schwappte vor rund einem Jahr nach Deutschland. Da waren sie noch Trainer in Mecklenburg Vorpommern beim MSV Pampow. Kann man sagen, dass die aktuelle Phase gleichzeitig die ungewöhnlichste und spannendste Aufgabe für sie als noch junger Trainer ist?

Es ist auf jeden Fall die bisher schwierigste Aufgabe als Trainer, da man im Trainings- und Wettkampfprozess immer wieder gestoppt wird. Es ist wenig planbar, trotzdem bin ein Verfechter davon, auch in dieser Phase den Spielern einen Plan an die Hand zu geben. Einfach mal per Videokonferenz mit den Spielern zu kommunizieren und reinzuhorchen, was sie bewegt, gehört genauso dazu. Nichts zu tun ist für mich der falsche Ansatz, wir wollen auf einen Restart bestmöglich vorbereitet sein.

Neue Trainingspläne

Der Trainings- und Wettkampfbetrieb bleibt noch auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Wie versucht das Trainerteam die Mannschaft einigermaßen fit durch diese Phase zu bringen?

Wir haben als Trainerteam für den November und Dezember letzten Jahres einen Trainingsplan entwickelt, welcher die gute Fitness der Jungs aufrecht erhalten soll. Immer mittwochs haben wir zudem ein Cybertraining vor der Kamera absolviert, so konnten sich die Spieler zusätzlich untereinander motivieren und kontrollieren. Anhand von Apps und Videos müssen die Spieler, das ausgeführte Programm nachweisen. So wurde auch der Druck hochgehalten, permanent ans Limit zu gehen. Im Januar gab es komplett frei um den Akku wieder aufzuladen. Ab Februar gibt es dann neue Trainingspläne, die sich natürlich an dem Saisonzyklus orientieren. Die Jungs legen sichtbar eine sehr hohe Selbstdisziplin an den Tag. Wir Trainer merken, dass die Spieler unseren Weg mitgehen wollen. Das macht uns unheimlich stolz.

Leon Sitz’ Abgang

Mit Leon Sitz hat planmäßig ein Mittelfeldspieler das Team verlassen, um sein Studium in den USA wieder aufzunehmen. Konnte der Verein diese Lücke bereits wieder schließen?

Leons Abgang schmerzt menschlich und sportlich, das ist kein Geheimnis. Aber das wussten wir schon im Sommer, wir waren also vorbereitet. Somit konnten wir direkt reagieren und mit Jonas Günther vom BSC Süd 05 einen Spieler verpflichten, der die gleiche Position ausfüllen kann. Jonas ist ebenfalls ein junger und talentierter Fußballer, der unter anderem mit Leon schon beim 1. FC Union Berlin im Nachwuchs zusammen gespielt hat. Zudem hat er in dieser Saison schon einige Oberligaspiele absolviert, da kommt also ein guter Junge zu uns. Wir sind natürlich noch mit weiteren Spielern im Gespräch, haben da aber keinen Druck.

Positive Entwicklung

Vorausgesetzt die laufende Serie wird mit der Hinrunde beendet und es wird somit auch die Auf- und Abstiegsfrage beantwortet. Sehen sie den FC Stahl Brandenburg für den Kampf um die Brandenburgliga ausreichend gut aufgestellt oder gibt es noch Handlungsbedarf?

Ehrlicherweise muss zuerst mal gesagt werden, dass unser primäres Ziel nicht der Aufstieg war. Deshalb sind wir mit dem bisher Erreichten zufrieden und können absolut entspannt in die „Endrunde“ gehen. Da haben Mannschaften wie Ahrensfelde, Buckow oder auch Glienicke mehr Druck auf dem Kessel. Solche Vereine haben uns auch auf Grund ihrer finanziellen Möglichkeiten noch einiges voraus und sprachen schon vor der Saison vom Aufstieg. Wir sind mit unserem Kader absolut zufrieden, die Jungs machen eine super Entwicklung und haben einen unglaublichen Teamspirit. Insgesamt sind wir als Verein konkurrenzfähig, egal in welcher Liga. Grundsätzlich ist es aber auch legitim, sich permanent zu hinterfragen und Verbesserungspotential aufzudecken.

Gespräche laufen an

Gab es schon Gespräche mit der aktuellen Mannschaft und wenn ja, welche Signale zum Verbleib über die Saison hinaus gab es vom derzeitigen Personal?

Ich fand es als aktiver Spieler immer sehr unangenehm, wenn ich im April oder Mai noch nicht wusste, ob und wie es zur neuen Saison weiter geht. Deshalb habe ich mir als Trainer auf die Fahne geschrieben, so früh wie möglich mit dem vorhanden Personal in Gespräche zu gehen und die Zukunft zu klären. Das ist auch für die Spieler wichtig, so haben sie den Kopf für das Wesentliche frei. Wir gehen ab Februar in die Gespräche, die Termine haben wir schon vor Wochen ausgegeben. Coronabedingt machen wir das über eine Videokonferenz, an der neben dem jeweiligen Kicker das Trainerteam und auch die sportliche Leitung teilnimmt. Auch in dieser Beziehung ist es wichtig in Bewegung zu bleiben und rechtzeitig die Weichen für‘s neue Spieljahr zu stellen.

Aufstieg als Spieler/Trainer

Dass der FC Stahl Brandenburg auch Party kann, werden sie aus ihrer Zeit als aktiver Spieler ja aus dem Jahr 2009 noch wissen. Sie könnten mit ihrem Trainerteam die Premiere feiern, sowohl als Spieler und auch als Trainer aufgestiegen zu sein. Das wäre dann doch ein würdiger Abschluss einer ungewöhnlichen Saison.

Es wäre definitiv eine große Sache, mit dem Verein, mit dem man als Spieler schon mal aufgestiegen ist, Jahre später auch als Trainer eine Aufstiegspartie feiern zu können. Das bleibt unser Ziel, auch wenn es vielleicht noch nicht in dieser verrückten Saison der Fall sein wird. Es muss alles passen und nachhaltig sein, schließlich würden wir auch in der Brandenburgliga einen ansehnlichen Fußball spielen wollen.