Die Freilichtbühne in Brandenburg an der Havel wurde im Mai 1956 eröffnet. 2021 plant die Stadt eine Ausstellung mit von Bürgern eingesandten Geschichten, Fotos und Erinnerungen der vergangenen 65 Jahre. Eine der originellsten Storys stammt aus einer Zeit, in der es noch gar keine Freilichtbühne gab.
Gisela Gartmann glaubt von einem geheimen Eingang in die Unterwelt zu wissen, der heute zugeschüttet ist. 1926 in der Havelstadt geboren, war sie Ende der 1930er Jahre eine Schülerin von Stadthistoriker Friedrich Grasow (1881-1958). Wie Gisela Gartmann erklärt, habe sich Grasow einmal mit ihrer Klasse auf einen besonderen historischen Stadtrundgang begeben. Darüber mussten die Schüler einen mehrseitigen, bebilderten und gebundenen Aufsatz in Schönschrift verfassen. Gisela Gartmann bekam eine 1 dafür. Den Aufsatz bewahrt sie noch heute.

80 Jahre altes Foto

Gut für die Freunde der Freilichtbühne und Stadtgeschichte sowie von mutmaßlichen unterirdischen Gängen! Denn dadurch blieb über acht Jahrzehnte ein Originalfoto von jener Tür erhalten, das den Eingang zu einem Tunnel zeigen soll. Gisela Gartmann beteuert, die Überlieferung stammt von Friedrich Grasow, der sie in die Köpfe der am Stadtrundgang beteiligten Kinder gepflanzt hatte.
Das Foto zeigt eine Holztür an einem kleinen Erdhügel auf dem Marienberg. Die Stelle ist heute nicht mehr wieder zu erkennen, denn vor die Tür wurde reichlich Erde geschüttet. Von der Bühne aus nach oben geblickt, befand sich das abgelichtete Objekt rechts von den oberen Sitzreihen.

Ist das Geheimnis zu lüften?

Wer den Eingang freilegen wollte, um dem Geheimnis auf den Grund zu gehen, könnte schnell fündig werden: BRAWO sowie einigen Denkmalschützern und Stadtarchäologen ist die genaue Stelle bekannt. Auch, dass die Tür irgendwann zugemauert wurde. Indessen hat sich Gisela Gartmann nicht an der städtischen 65-Jahr-Aktion für die Freilichtbühne beteiligt. Einsendeschluss war am Mittwoch, 10. März. Dennoch wäre sie mit Mitte 90 sehr dankbar dafür, wenn die Stadt endlich Klarheit schaffen würde: Ist hinter dem Eingang nun ein Tunnel oder nicht? Wenn ja, wohin führt er? Gibt es womöglich doch die sagenumwobene Verbindung zwischen Marienberg und Dom?