Am 31.Oktober und 1.November steht mit dem 23. Töpfermarkt bevor, was unlängst die Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft (STG) Brandenburg an der Havel zu einem Gewinner (inkl. 3.000 Euro Preisgeld) der IHK-City-Offensive Westbrandenburg 2020 hat werden lassen. Gesucht wurden „frische Ideen und neue Konzepte, die die Brandenburger Innenstädte beleben“. Acht Preisträger gingen daraus hervor.
Darunter die STG mit ihrem Beitrag „Töpfermarkt mit verkaufsoffenem Sonntag in der Innenstadt.“ Jury-Urteil: „Die Verknüpfung der beiden Veranstaltungen hat zu einer erfolgreichen Belebung der Innenstadt von Brandenburg an der Havel geführt. Dies ist eine wichtige Aktion, um gegen den Online-Handel zu bestehen.“

Gründer stammt aus Töpfer-Familie

Ein Grund, der beim ersten Töpfermarkt noch keine Rolle spielte. Wie allerdings auch etwaige Genehmigungen. In den 1990er Jahren genügte manchmal Mut. Und den hatte Philipp Rudolf, ein 1972 geborener Spross einer Keramiker-Familie, die bis 1989 in Kirchmöser gewirkt hatte. Noch vor der Wende war sie in den Westen, nach Schleswig-Holstein, gegangen, hatte alles Hab und Gut zurücklassen müssen.
Freunde überführten, wie verabredet, das Werkstatt-Inventar nach Wusterwitz, um es für eine Töpferei zu nutzen.

Brandenburger Töpfermarkt hat Ursprung in Görzke

Als deren Inhaber 1995 in den Ruhestand gehen wollten, nutzte Familie Rudolph die Gelegenheit zur Rückkehr und die Werkstatt äußerst kreativ und produktiv. „Verträumte Keramik“ wurde auf vielen Töpfermärkten an Mann und Frau gebracht.
„Beim Traditions-Töpfermarkt in Görzke fragte ich mich endlich, warum gibt es das nicht in Brandenburg“, erinnert sich Philipp Rudolf und weiter: „Da ich damals schon ein sehr engagierter Veranstalter war – beispielsweise mit der Christmas Cocktail Party, und zudem mit meinen Eltern schon immer fleißig mitgetöpfert habe, plante ich in der Ruine des Pauliklosters den ersten Brandenburger Töpfermarkt. Ohne behördliche Genehmigung. Das ging einmal gut, weil es ja am Anfang keiner Ernst nahm. Aber es wurde ein richtiger Knaller und folglich gab es die Auswertung mit Feuerwehr und Ordnungsamt und ich gelobte Besserung.“

Erst im Advent, dann zum Novemveranfang

1999 folgte der erste offizielle Töpfermarkt, der wegen der Sanierung des Pauliklosters in den Jahren 2006 bis 2008 auf den Katharinenkirchplatz, aufs Domgelände und das Slawendorf auswich.
Verschoben hatte sich längst schon der Veranstaltungstermin, der anfangs aufs erste Adventswochenende ausgelegt war. Rudolf: „Doch da  starteten auch die Weihnachtsmärkte, auf die viele Kollegen wollten. Darum rückten wir zunächst eine Woche vor, was wir auch genehmigt bekamen, bis in der Verwaltung zwei Tage vor der Veranstaltung auffiel, dass es sich um den Totensonntag handelt. Der Kompromiss: Den Töpfermarkt darf es diesmal nur samstags geben, jedenfalls offiziell… In der nächsten Planung rückte der Markt dann noch weiter vor – auch wegen des Volkstrauertages – bis er schließlich aufs Wochenende des ersten November-Sonntags festgeschrieben war.“

Verein belebt Klein Kreutz

Veranstaltet wird der Töpfermarkt seit dem Jahr 2014 vom eigens gegründeten Kunst und Kultur Klein Kreutz e.V., kurz KuKuKK, mit dem Philipp Rudolf zugleich ein Schmuckstück in der Klein Kreutzer Dorfstraße 89 wiederbeleben wollte.
Um 1900 hatte sich dort die Gaststätte „Am Weinberg“ zur beliebten Ausflugsstätte entwickelt, die in Nachwende-Zeiten die Discothek „Tabaluga“ war (bis 1997). 2001 folgte die Zwangsversteigerung.
Töpfer Philipp Rudolf erhielt bei 100.000 DM den Zuschlag und etablierte am Weinberg Kunsthandwerk.

Viele Kinder zu Gast

Kita- und Hortgruppen sowie Schulklassen sind hier oft zu Gast, um sich unter Vereinsregie in Keramik- und Töpfer-Geheimnisse einweihen und Handgeformtes entstehen zu lassen.
Derzeit dient die Werkstatt großflächig der Vorbereitung des Töpfermarktes, auf dem auch Kunst aus Klein Kreutz zu haben sein wird. Darunter die rotmützigen Räuchermännchen, ein Verkaufsschlager des Vorjahres.

Wegen Corona mehr Stände draußen

„Es werden am 31. Oktober und 1. November 2020 wohl wieder rund 50 Töpfereien, Keramikwerkstätten und Künstler dabei sein, weil wir – Stand jetzt – wieder Stände drinnen und draußen platzieren können. Allerdings weniger Stände im Kirchenschiff und draußen etwas auseinandergezogen. Wir werden die Aufstellung neu ordnen und einen Rundweg entstehen lassen. Besucher sollen in jedem Fall einen Mund-Nasen-Schutz mit sich führen und im Bedarfsfall aufsetzen – also wenn 1,50-Abstand nicht möglich sind“, schildert Philipp Rudolf.

So normal wie möglich

Ansonsten solle der Markt auch im Corona-Jahr so normal und schön wie möglich verlaufen, mit traditionellen Gepflogenheiten.
Der Eintritt kostet Erwachsene 1,50 Euro und ist für Kinder bis einschließlich 14 Jahre frei. Im Eintrittspreis enthalten sind jeweils ein Getränke-Bon im Wert von 50 Cent sowie ein Einkaufsgutschein im Wert von 1 Euro, der bei einem Einkauf ab 15 Euro bei den meisten Ausstellern verrechnet werden kann.