Das Programm „Vergewaltigt – was nun? Medizinische Soforthilfe und vertrauliche Spurensicherung“ unterstützt Opfer sexueller Gewalt und sichert Spuren, ohne dass die Tat umgehend angezeigt werden müsste. Mit der Soforthilfe haben Opfer sexueller Gewalt – unabhängig von einer Anzeige – die Möglichkeit, neben der medizinischen Versorgung vertraulich von einer Ärztin oder einem Arzt Tatspuren unverzüglich sichern zu lassen. Wenn das Opfer sich erst später für eine Anzeige entscheidet, kann die Polizei auf das Beweismaterial zurückgreifen.

Ein Jahr von der Berwerbung bis zur Umsetzung

Die vertrauliche Spurensicherung wird in fünf Brandenburger Kliniken angeboten: im Klinikum Frankfurt (Oder), in den Ruppiner Kliniken Neuruppin, im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus, im Ernst von Bergmann Klinikum Potsdam und nun auch im Klinikum Brandenburg an der Havel. Dr. Wiebke Weiland, Chefärztin der Notaufnahme, und Klinikum-Geschäftsführerin Gabriele Wolter zeigten in einer Pressekonferenz den langen Weg bis zur Realisierung des neuen Angebotes auf. Über ein Jahr hat es gedauert, bis alle Hürden von der Logistik bis hin zur Finanzierung genommen waren. In dieser Zeit wurden nicht nur Gynäkologen, sondern auch Urologen, HNO- und Kinderärzte sowie Chirurgen des Städtischen Klinikums am Institut für Rechtsmedizin geschult.

Opfern sexueller Gewalt Zeit verschaffen

Seit Start des neuen Programms hat es bereits eine Spurensicherung gegeben, berichtet Dr. Wiebke Weiland. In der Vergangenheit sei es sehr schwer gewesen, an die Frauen heranzukommen, mit dem neuen Programm hofft sie, dass sich die Opfer den Ärzten, die der Schweigepflicht unterliegen, eher öffnen. Gabriele Wolter sagte zudem: „Viele Betroffene sind unmittelbar nach der Tat nicht in der Lage, eine Entscheidung für oder gegen eine Strafanzeige zu treffen. Neben der medizinischen Soforthilfe haben sie nun auch am Klinikum Brandenburg bis zu zehn Jahre die Möglichkeit, vertraulich die Spuren sichern zu lassen und bei der Entscheidung die Tat zur Anzeige zu bringen auf Beweismaterial zurückgreifen zu können.“

Vertrauliche Spurensicherung ist eine große Hilfe

Brandenburgs Frauen- und Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher betonte: „Jedes Opfer sexueller Gewalt braucht medizinische Hilfe. Auch wenn keine Spurensicherung gewünscht ist, sollte immer eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Neben den physischen Verletzungen stehen Opfer einer Vergewaltigung unter enormem psychischen Druck. Oft kommen die Tatpersonen aus dem engsten Umfeld und die Angst vor einer Anzeige ist groß. In diesen Fällen ist die vertrauliche Spurensicherung eine Hilfe, um zunächst Zeit zu gewinnen und behutsam Schritt für Schritt vorzugehen. Beweismaterial, das sonst verloren ginge, wird gerichtsverwertbar und absolut vertraulich gesichert. Die Polizei erfährt davon erst, wenn sich das Opfer entscheidet, Anzeige zu erstatten.“

Hilfsangebot für Frauen, Kinder und Männer

Das Programm „Vergewaltigt – was nun? Medizinische Soforthilfe und vertrauliche Spurensicherung“ gibt es seit 2014 im Land Brandenburg, es richtet sich an Frauen, Männer und Kinder aller Altersgruppen. Wenn ein Opfer in eine der fünf Kliniken kommt, kann es unter anderem mit dem Satz „Ich brauche dringend ein Gespräch mit einer Gynäkologin/einem Urologen“ diskret darauf aufmerksam machen, dass eine sexuelle Gewalttat bzw. eine Vergewaltigung stattgefunden hat. In diesem Fall wird es unverzüglich zu der entsprechenden Station weitergeleitet. Dort wird in ruhiger Atmosphäre das weitere Vorgehen mit der Ärztin oder dem Arzt beraten.

Hilfe an Kliniken und im Internet

Auf Wunsch wird auch der Kontakt zu Opferunterstützungseinrichtungen vermittelt, die Betroffene nachsorgend beraten. Informationen zur medizinischen Soforthilfe und vertraulichen Spurensicherung gibt es in den Kliniken in Cottbus, Frankfurt (Oder), Neuruppin, Potsdam, Brandenburg an der Havel, bei allen Opferberatungsstellen des Opferhilfe Land Brandenburg: www.opferhilfe-brandenburg.de und auf der Internetseite: www.hilfe-nachvergewaltigung-brandenburg.de