Die Beschäftigten der VBBr werden am Freitag erneut ihre Arbeit niederlegen. Zwischen 3.30 und 12 Uhr werden Busse und Straßenbahnen den Betriebshof in der Upstallstraße nicht verlassen. Für Geschäftsführer Jörg Vogeler ist das nicht verständlich. Er fragt: Ver.di nimmt 550 Euro für die ÖPNV-Mitarbeiter und streikt trotzdem - Welcher Fahrgast soll das verstehen?

Ein Erklärungsversuch

Ver.di hat zum 30.06.2020 beide Tarifverträge für die ÖPNV-Mitarbeiter im Land Brandenburg gekündigt, den Tarifvertrag für die Entgelttabelle und den s.g. Manteltarifvertrag, der den Urlaub, die Überstunden usw. regelt. Beim Tarifvertrag für die Entgelttabelle haben gestern die Verhandlungskommissionen von Ver.di und der Arbeitgeber eine Einigung erzielt. Diese beinhaltet eine Einmalzahlung von 550 Euro für einen Friedenspflicht bis zum 31.01.2021.
Im Interesse unserer Fahrgäste haben wir gehofft, dass es auch tatsächlich zu dieser streikfreien Zeit kommt.

Streikanlass hat sich geändert

Am Freitag streikt Ver.di nun nicht für mehr Geld (Entgelttarifvertrag), denn da besteht Friedenspflicht in Brandenburg, sondern für den Manteltarifvertrag. Dies ist rein rechtlich möglich. Die Arbeitgeber hatten Ver.di gestern eine Einmalzahlung von 900 Euro angeboten, um auch bei Manteltarifvertrag Frieden für die Fahrgäste zu erreichen. Ver.di Brandenburg konnte dieses Angebot nach eigenem Bekunden nicht annehmen, weil die Ver.di Bundesebene dies den Brandenburger Kollegen untersagt hatte. Ver.di Bundesebene bezweckt damit, die Manteltarifverträge, die bisher alle auf Landesebene verhandelt wurden, auf der Bundesebene zu verhandeln und deren Regelungen zusammenzuführen.
Beim Streik am Freitag geht es Ver.di nicht um Geldforderungen für die Mitarbeiter.
Beim Streik am Freitag geht es auch nicht um konkrete Forderungen zum Manteltarifvertrag.
Beim Streik am Freitag geht es Ver.di alleinig darum, den Manteltarifvertrag im ÖPNV zukünftig auf Bundesebene für alle Länder zu verhandeln. Dies hätte u. a. zur Folge, dass auch die bundesweiten Tarifauseinandersetzungen im TVÖD (Kommunen und Bund) zukünftig mit bundesweiten Streiks im ÖPNV unterstützt werden könnten.

Eine persönliche Bitte

Bitte gehen Sie mit unseren Mitarbeitern wegen des Streiks nicht so hart ins Gericht. Viele unserer Mitarbeiter wussten oder wissen gar nicht, wofür sie tatsächlich von Ver.di zum Streik aufgerufen werden. Außerdem ist Ver.di Brandenburg bei diesen Streiks an den Machtanspruch der Bundesebene weisungsgebunden, konkret der stellvertretende Ver.di-Vorsitzenden Christine Behle.