30 Jahre geeintes Deutschland. Der 3. Oktober 2020 hätte nicht nur Potsdam ein großes Fest bescheren können, sondern auch in Brandenburg wieder 500 Gäste zusammenführen sollen. Doch im Corona-Jahr verschieben sich die Maßstäbe. Stadt und Rotary-Club mussten sich als Gastgeber der Festveranstaltung im Dom mit 100 Gästen begnügen und waren laut Brandenburgs Rotary-Präsident Prof. Dr. Christian Mieke dennoch froh, den Jahrestag überhaupt gemeinsam feiern zu können, „wenn auch in eingeschränktem Rahmen.“ Dom-Pfarrerin Susanne Graap lobte den Einheits-Kompromiss in Potsdam mit den 16 Bundesland-Pavillons als „großartiges Projekt“ und ermutigt alle Ostdeutschen zu mehr Offenheit. Es gebe nicht nur Schwarz und Weiß beim Erinnern, sondern auch das Grau.

Folgegeneration kann aus Geschichte lernen

Graap wünscht sich, dass „gelungenes Leben und Lebensfehler als Geschichten erzählt werden.“ So können Folgegenerationen besser verstehen und daraus lernen. Für Dr. Adriana Lettrari längst eine Herzensangelegenheit. Das „Wendekind“ war für die Festansprache im Dom eingeladen und kündete von den privaten bis globalen Gründen ihres Tuns. Die 1979 in Neustrelitz Geborene erzählte von ihrem Vater, der sich statt für die Familie für die Freiheit entschieden und einen Ausreiseantrage gestellt hatte. Sie sei geboren in der DDR und aufgewachsen im geeinten Deutschland, habe Erinnerungen an den epochalen Umbruch. Weil ihre Generation aber bei der Geschichte und Zukunft des Ostens vorerst keine Rolle spielte, hat sie 2010 das Netzwerk „3te Generation Ostdeutschland“ gegründet.

Netzwerk „3te Generation Ostdeutschland“

Sie brachte die zwischen 1975 und 1985 in der DDR geborenen Menschen zusammen, um sie sicht- und hörbar zu machen und um gemeinsam gestalten zu können. Mit Zahlen belegte sie, dass Ostdeutsche in wichtigen Positionen noch immer eine untergeordnete Rolle spielen; selbstbewusst sagt sie: „Wir sind Deutschland und Europa. In uns ist Deutschland und Europa.“ Und sie seien bereit, „das Erbe unserer Gründungsväter der Deutschen Einheit anzutreten.“

Die Wende war dringend nötig

Oberbürgermeister Steffen Scheller erinnerte ans verfallene Brandenburg und wie nötig die Wende war und dass man stolz auf das Erreichte sein könne. Wer hätte damals gedacht, dass Brandenburg ein Standort von ZF oder der Heidelberger Druckmaschinen werden könne, dass die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen hier angesiedelt wird und die Stadt eine Technische sowie eine Medizinische Hochschule haben würde. Und er schlug den Bogen zur Corona-Gegenwart, dankte allen, die sich an die Kontaktbeschränkungen halten und ist überzeugt, „dass wir gemeinsam auch die Coronazeit meistern.“ Mit der Europa- und Nationalhymne von den einmal mehr grandios aufspielenden Brandenburger Symphonikern klang ein würdiger Festakt zum 30. Tag der Deutschen Einheit aus.