Seit vergangenem Mittwoch sind auch in unserem Brandenburg wegen der sich erheblich ausgeweiteten Corona-Pandemie beispielsweise Einkäufe zum bevorstehenden Fest (nahezu) kein Thema mehr. Wir wollen hier – ohne etwa irgendwelche Vergleiche zu konstruieren – an einige Weihnachten aus längst vergangenen Zeiten vor gut 80 Jahren erinnern.

Sorgenlose Vorweihnachtszeit

Sie waren zunächst vom unbeschwerten, erwartungsvollen Treiben, dann aber bald massiv von Nöten, Sorgen und Einschränkungen durch den Zweiten Weltkrieg geprägt.
Da hieß es beispielsweise am Montag, dem 14. Dezember 1936, im „Brandenburger Anzeiger“ noch völlig passend: „Schon seit geraumer Zeit hat die vorweihnachtliche Stimmung mit all ihrem heimlichen Zauber und emsigen Suchen nach Dingen, mit denen man Freude und Überraschung bereiten kann, von uns Besitz ergriffen. Immer öfter treffen wir auf die Vorboten des Festes.“

Längere Öffnungszeiten

Rückblickend auf den sogenannten „Silbernen Sonntag“ war in dieser Betrachtung weiter zu lesen: „Gestern haben nun die weihnachtlich gestimmten Menschen ihre erste große Vorschau abgehalten. Da es diesmal nur zwei derartige zusätzliche Öffnungszeiten gibt“, wurde laut Schilderung auch fleißig davon Gebrauch gemacht: „Der Anmarsch der Kundenscharen an diesem vorletzten Adventssonntag setzte schon vor der Geschäftsöffnung um 13 Uhr ein (...) und hielt unvermindert bis 18 Uhr an. Besonders rege war dabei der Besuch der ländlichen Bevölkerung, die zum größten Teil mit dem Fahrrad, aber auch mit der Bahn oder im Kraftomnibus aus den umliegenden Dörfern ´in die Stadt` gekommen war. Bis zum Eintritt der Dunkelheit tauchten die grünen Joppen der Bauern recht zahlreich in dem Besucherstrom auf, der durch die in hellstem Lichtglanz erstrahlenden Hauptverkehrsstraßen Brandenburgs seinen Weg nahm.“

Stress im Einzelhandel

Ja, in den Geschäfts- und Kaufhäusern war der Andrang laut Schilderung des „Anzeiger“-Berichterstatters so stark, dass man vor allem zum Abend hin gar regelnd eingreifen musste. Da hatten Ladeninhaber und Verkaufspersonal keinen leichten Stand. Diese wandten sich unmittelbar danach an die Havelstädter, mit der Bitte, dass jene, die während der Wochentage Zeit und Gelegenheit haben, dann auch bereits ihre Geschenke auswählen sollten.
Zudem wurde darum ersucht, unangebrachte „Scherze“ zu unterlassen. Hätten doch junge Brandenburger beim Erwerb kleinster Gegenstände gar „die Verkäuferinnen unnötig hin und her gejagt oder durch Redereien verwirrt.“

Orgelkonzert in St. Gotthardt

 Abseits des hektischen Treibens gab es zudem traditionsgemäß eine Reihe besinnlicher Stunden. In St. Gotthardt, so hieß es, herrschte „edle Weihnachtsstimmung“. Kirchenmusikdirektor Adolf Bolte spielte exzellent auf der Orgel; am wirkungsvollsten – lobte da Redakteur Kurt Groetschel in seiner Rezension – „Macht hoch die Tür“.  Den zweiten Teil des Konzertes füllte die Weihnachtskantate von Armin Knab. „Es freute den Besucher, dass der Chor unter seinem sorgsamen Leiter Ernst Schubert auf gewohnter Höhe war.“

Premiere im Theater

Bleiben wir noch bei der Kultur. Da gab es im Theater (Blumenstraße) die Premiere des „packenden“ Schauspiels von Wildenbruch „Die Rabensteinerin“. Zu den Mitwirkenden gehörten Tilly Lauenstein (später auch Film und Fernsehen) ebenso wie die noch lange nach Kriegsende an der hiesigen Bühne engagierten Oskar Fritzler und Harry Hansen.
Der 1939 von Hitler-Deutschland entfesselte Weltenbrand spiegelte sich alsbald im „Brandenburger Anzeiger“ nachhaltig und zugleich bedrückend wider. Dazu gehörte mittlerweile als ständige Rubrik die Aufforderung zum Verdunkeln der Fenster, gedacht als vermeintliche Schutzmaßnahme mit Blick auf feindliche“ Bomberverbände.

Verdunkelung und Tanzverbot

So stand dann dick gedruckt am 20. Dezember 1940 – fast acht Jahre nach Machtübernahme der Nationalsozialisten – auf einer der Lokalseiten: „Die Verdunkelung beginnt 16.47 Uhr, endet 9.07.“ In der gleichen Ausgabe war zu lesen, dass das bestehende Tanzverbot bis auf weiteres an drei Tagen (Mittwoch, Sonnabend und Sonntag ab 17 Uhr) aufgehoben ist.
Zudem seien vom 25. Dezember 1940 bis 1. Januar 41 gleichartige Veranstaltungen an allen Wochentagen bis 23 Uhr (Polizeistunde) genehmigt. Die Mädchen und Jungen indes freuten sich über ihre Weihnachtsferien, die vom 20. Dezember bis zum 5. Januar währten.

Zusendungen für Gefolgschaftsmitglieder

  Eindeutig geprägt vom Krieg – inzwischen hatte die deutsche Wehrmacht auf Befehl Hitlers und seiner Gefolgschaft bereits Teile West-, Nord- und Osteuropas besetzt – waren solche Informationen: „In besonderem Umfang haben die hiesigen Betriebe aus Anlass der zweiten Kriegsweihnacht ihrer im Felde stehenden Gefolgschaftsmitglieder mit zahlreichen Sendungen von Liebesgaben gedacht (...).“ Lobende Worte gab es für den Angelsportverein Brandenburg: „Man sorgt sich nicht nur um die Familien unserer an den Fronten stehenden Sportkameraden, sondern hat für diese Päckchen zusammengestellt (...).“

Elend und Not über mehrere Weihnachtsfeste

  Wohl nur noch bedingt dürfte für die Brandenburger am 1. Weihnachtstag 1940 die Veranstaltung „Ein lustiger bunter Teller“ in der Stadthalle (Schweizergarten) Ablenkung gebracht haben. Denn längst waren sehr viele von all dem Grauen und Elend betroffen, das dieser Weltenbrand ausgelöst hatte. Und weitere vier Kriegsweihnachten sollten folgen...  
Diese standen dann immer stärker im Zeichen von Leid, Trauer sowie Not und Entbehrungen. An weihnachtliche Einkaufsbummel, wie eingangs geschildert, dachte da keiner mehr. Fehlten doch dafür längst jegliche Voraussetzungen. Doch bessere Zeiten sollten kommen…