Moderat hat die Saison begonnen. Vier Brände seit Anfang März haben die Überwachungszentrale in Eberswalde aber schon beschäftigt. Außer dem Barnim gehören auch Uckermark und Oberhavel zum Überwachungsgebiet.
Drei Männer sitzen konzentriert vor jeweils zwei Monitoren. Linkerhand liegen auf der Bildfläche mehrere Waldpanoramen in schmalen Bilderstreifen übereinander. Der Monitor rechts blendet das passende Kartenmaterial ein.
Erscheint ihnen etwas auffällig, können sich die Waldarbeiter brandverdächtige Orte zudem auf dem Riesenbildschirm an der Wand heranzoomen. Rote Kästchen liegen dann auf den Schwarz-Weiß-Bildern. Stellt sich heraus, dass es tatsächlich brennt, wird die Rettungsleitstelle informiert.
"Es kann vorkommen, dass Hunderte Meldungen pro Minute eingehen", sagt Constanze Simon, Leiterin der Oberförsterei Eberswalde. "Zum Beispiel, wenn im Sommer ein Gewitterschauer niedergegangen ist und der Wald anfängt zu dampfen."
So empfindlich sind die Kameras, die die Zentrale von insgesamt 18 Standorten aus mit Bildern beliefern. "Das hochsensible System kommt aus der Weltraumtechnik", erläutert Simon. Mehr als 10 000 und bis zu 18 000 verschiedene Graustufen kann es miteinander abgleichen.
Die optischen Sensoren sind auf Türmen montiert. Dort drehen sich die kleinen Kameras permanent um sich selbst. In acht Minuten lichten sie die 360 Grad-Runde einmal komplett ab.
Scharfgeschaltet ist das System in der Waldbrandsaison von März bis September. Die Monitore sind aber nicht immer besetzt. Erst ab einer geringen Waldbrandgefahr ist das nötig, das heißt ab Stufe zwei.
Im vergangenen Jahr entsprach das noch der Stufe eins. Seit diesem Frühjahr gilt auch im Land Brandenburg der bundesweit einheitliche Waldbrandgefahr-Index. Das vom Deutschen Wetterdienst entwickelte Modell löst die altbekannten Warnstufen ab. Stufe null ist gestrichen. "Die Eins ist jetzt unsere alte Null", sagt Constanze Simon. Das neue Spektrum reicht von Stufe eins bis fünf statt bisher null bis vier.
In Uckermark, Barnim und Oberhavel ist zur Zeit die Waldbrandgefahrenstufe 3 ausgerufen, eine mittlere Gefahr. Daher hat die Eberswalder Zentrale drei Waldarbeiter aus den umliegenden Oberförstereien angefordert. Insgesamt 18 von ihnen sind als Beobachter speziell für das Computerprogramm "Fire Watch" ausgebildet. Steigt die Waldbrandgefahr weiter an, müssen vier in Eberswalde Dienst schieben.
Geändert hat sich für die Waldbrandzentrale in Eberswalde zudem die Zahl der Kameratürme, die durchschnittlich 15 Kilometer voneinander entfernt sind und jeweils um die 700 Quadratkilometer abdecken. Drei Türme in Märkisch-Oderland hat die Zentrale abgegeben, einen in Kremmen (Oberhavel) dazubekommen. So entspricht das Beobachtungsgebiet in etwa den Kreisgrenzen.
Das Videosystem ist in Brandenburg inzwischen seit zehn Jahren im Einsatz. Die Erfahrungswerte schätzen die Forstleute als positiv ein. "Man geht davon aus, dass die Brände schneller erkannt werden", sagt Constanze Simon. So sei die letztlich betroffene Brandfläche auf durchschnittlich unter einen halben Hektar gesunken. "Das ist natürlich auch dem geschuldet, dass heutzutage alle mit dem Handy unterwegs sind", räumt die Chefin der Oberförsterei ein. Aber: "50 Prozent der Brände werden durch die Zentrale gemeldet. Ich denke, das ist schon ein ganz guter Schnitt.
Für den Erfolg spricht auch, dass es zu den meisten Bränden, die nicht als Meldung auf den Monitoren in Eberswalde erscheinen, außerhalb der Dienstzeiten kommt. Darauf weist Elke Mehlhorn hin, die in der Oberförsterei Eberswalde für den Waldschutz zuständig ist. Den schlimmsten Waldbrand in 38 Jahren im Beruf erlebte die Försterin im Jahrhundertsommer 2003 im Brandenburgischen Viertel. "Das war ein verkohlter Kiefernbestand auf einer Fläche von zehn Hektar." Den kuriosesten Fall im vorigen Jahr, ebenfalls in Eberswalde. An einem der extrem trockenen Juli-Tage hatte eine Krähe an einer Hochspannungsleitung Feuer gefangen. Trotz Alarms von mehreren Stellen breitete sich das Feuer auf 2000 Quadratmeter aus.
Insgesamt gab es im vorigen Jahr acht Waldbrände im Barnim. In diesem Jahr waren es bislang zwei.
Waldarbeit am Bildschirm: Helmut Nitschke (l.), Günter Hindenburg (r.) und Siegmund Schultze beobachten mit Hilfe von 18 Kameras die Wälder von Uckermark, Barnim und Oberhavel. Auf der Landkarte an der Wand kennzeichnen Magnete die Standorte der Türme, auf denen die Kameras installiert sind - im Barnim gibt es sieben.Foto: Sören Tetzlaff
In der Eberswalder Waldbrandzentrale gehen Daten aus drei Landkreisen ein / Seit Saisonbeginn gelten neue Gefahrenstufen