Es gebe vieles, dass ihm in Deutschland gefalle, sagt Yakov Hadas-Handelsman, Botschafter des Staates Israels. Darunter die Industriekultur und sein Verantwortungsbewusstsein für die nationalsozialistische Vergangenheit. Sorgen bereiten dem 59-Jährigen die vielen Herausforderungen, vor denen Deutschland stehe. Der wachsende Antisemitismus beispielsweise und er ruft auf: "Lassen Sie uns die Vergangenheit nicht vergessen." Der gebürtige Israeli findet während des Diplomatischen Salons kritische Worte für das Land, in dem er knapp fünf Jahre diplomatische Beziehungen für sein Heimatland pflegte. Es sind von Beginn an politische Themen, die den Salon ausmachen.
In seiner Mission als Botschafter, die Ende August offiziell endet und durch seinen Nachfolger Jeremy Issacharoff weitergeführt wird, habe er viele Orte der Republik besucht. In Eberswalde ist er am Montag auf Einladung der Hoeck-Stiftung allerdings zum ersten Mal gewesen. "Es war sein Wunsch, auch die Region kennenzulernen", sagt Stiftungsvorsitzender Martin Hoeck über den Diplomaten. Yakov Hadas-Handelsman kommt mit blauer Krawatte und dunkelblauem Jacket. Daran hat er einen kleinen Anstecker mit der deutschen und israelischen Flagge gesteckt. Er spricht gebrochen deutsch.
Seit 13.30 Uhr bereits besucht der Ehemann und Vater zweier Söhne das Schiffshebewerk Niederfinow, das Kloster Chorin und die Messingwerksiedlung Finow. Angeleitet von Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski erfährt der Botschafter etwas über die Industriegeschichte der Stadt und das einst ausgeprägte jüdische Leben in Eberswalde. Bevor es in Richtung Paul-Wunderlich-Haus geht, wird die Gedenkskulptur "Wachsen mit Erinnerung" im Stadtzentrum besucht. Auf dem Weg dorthin trifft die Gruppe auf Ellen Grünwald, ehemals Behring. Sie beschäftigt sich seit 2003 intensiv mit der Aufarbeitung einzelner jüdischer Biographien in Eberswalde, hat ein Gedenkbuch herausgegeben. Warum Eberswalde keine jüdische Gemeinde hat, will der Botschafter von ihr wissen. Eine Frage, die auch Ellen Grünwald umtreibt.
Yakov Hadas-Handelsman ist immer umgeben von Sicherheitspersonal. Drei Männer sind stets an seiner Seite, zwei weitere an den Fahrzeugen. Die Stiftung habe auf Anraten der Botschaft diesmal auf Werbung für die Veranstaltung verzichtet. Auch die über 100 Gäste sind ausgewählt, ohne Einladung wird niemand zum Diplomatischen Salon durchgelassen. Die aktuell besonders angespannte Lage in der israelischen Hauptstadt Jerusalem lässt die besondere Vorsicht vermuten. Hinzukommt: Die Geschichte zwischen Israel und Deutschland sei eine besondere, wie es Martin Hoeck formuliert. Die Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten sei etwas, dass Israel als vor allem jüdisch geprägtes Land mit Deutschland verbinde. "Für uns als Juden, für uns als jüdische Gemeinde ist wichtig, was in Deutschland passiert ist", sagt Hadas-Handelsman. Diese Verbindung, so wünscht sich Hoeck, solle zukünftig ihren Ausdruck in einer Städtepartnerschaft finden.
Das Publikum ist gespannt auf das, was Hadas-Handelsman über den Nahost-Friedensprozess berichtet. Die Lage sei nach tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern auf dem Tempelberg in Jerusalem besonders fragil, sagt er. Auch er sei für eine friedliche, politische Lösung durch zwei getrennte Staaten. "Die Israelis sind aber heute mehr als zuvor davon überzeugt, das die Palästinenser keinen Frieden wollen", so Hadas-Handelsman. Er gehe nicht länger von ihrer Kompromissbereitschaft aus. Für gutgemeinte Ratschläge anderer Länder habe er deshalb kein Verständnis.