Wirtschaftsdezernent bedauert Auswirkungen der Solarhybrid-Pleite
Spätestens beim ersten Spatenstich im September fiel es auf. Feierlich wurden in Finowfurt Modulgestelle für Europas größten Solarpark eingerammt. Auftragnehmer, Anleger, Partner waren da. Ausgerechnet der Landkreis aber, der sich der Energiewende verschrieben hat, fehlte.
"Auch das war der Ausdruck dessen, dass wir nicht einverstanden waren", sagt Carsten Bockhardt (CDU). Barnims Wirtschaftsdezernent hatte sich stets für den Erhalt des Flugplatzes mit seinem früheren Status ausgesprochen. Er hätte sich eine Kombination gewünscht; die Restflächen hätten ergänzend zur Photovoltaikanlage werden können. "Im Interesse der Gewinnmaximierung wurde der Flugplatz an die zweite Stelle gerückt", sagt Bockhardt.
Nachdem der Kraftwerkserbauer Solarhybrid Insolvenz angemeldet hat, "kriegen nun viele einheimische Betriebe nicht das, was sie verdient haben. Uns schmerzt natürlich, dass von unseren Handwerkern und Gewerbetreibenden viele in Turbulenzen kommen." Genauso wenig wie der Kreis planungsrechtlich die Bremse hätte ziehen können - Planungshoheit hatte die Gemeinde Schorfheide - könne er nun helfen, bedauert der Wirtschaftsdezernent. Ob im Zusammenhang mit der am Dienstag vermeldeten Pleite auch der Kreis noch Außenstände zu verzeichnen hat, werde geprüft, sagt Bockhardt. Für Gutachten und Genehmigungen fielen Gebühren für Solarhybrid an. Positiv zu bewerten bleibt Bockhardt immerhin, "dass Flächen für alternative Energien aufgebaut worden sind".
"Den Flugplatz gibt es als Verkehrslandeplatz weiterhin", darauf verweist indes Martin Knoll, Geschäftsführer der seit Januar bestehenden Flugplatz Eberswalde Finow GmbH. Anders als 2011 erklärt, hat offenbar doch nicht Solarhybrid die verbliebenen Flugbetriebsflächen übernommen. In der Hoffnung, ihn wirtschaftlich betreiben zu können, habe er den Platz im Dezember gekauft, sagt Knoll. Nur ein Gewerbetreibender habe seither den Platz verlassen. Und er habe neue Mieter gewonnen. Von der Solarhybrid-Insolvenz sei die neue Gesellschaft nicht betroffen.
Auch für Abnahme und Vergütung des eingespeisten Stroms spielt die Pleite keine Rolle, teilt Horst Jordan, Sprecher des Stromversorgers Eon Edis, mit. "Inwieweit die Anlage vollständig fertiggestellt ist, ist für uns heute nicht nachzuvollziehen. Klar aber ist, dass der eingespeiste Strom vergütet wird."
Die Einspeisevergütung erhalte der Anlagenbetreiber. Dabei handelt es sich um Beteiligungen des von der Altira Renewables Management verwalteten Deutschen Solarfonds. Für das kleinere erste Solarfeld, seit Mai 2010 am Netz, hatte Solarhybrid den Betreiber is solarinvestra FinowTower GmbH & Co. KG benannt. Zusammen mit "FinowTower II" handelt die Solarhybrid AG aus dem Sauerland die Anlage als "größtes Solarstromkraftwerk Europas".
Mit Einflugöffnung: Den Shelter, früher Unterstand für Kampfflugzeuge, hat die mittlerweile insolvente Solarhybrid AG für Fledermäuse herrichten lassen. Foto: MOZ/Thomas Burckhardt