Die Rentnerin Gerda Curella hat die Demonstration angemeldet, die von 14 bis 16 Uhr auf dem Marktplatz der Kreisstadt stattfinden soll.
Im Papierkorb gewühlt
Ein bisschen aufgeregt ist die Senioren schon. Mit 71 Jahren hat sie nicht so viel Erfahrung im Straßenkampf und will doch etwas erreichen. "Ich lebe erst kurz in Eberswalde", berichtet die Hessin in ihrem markanten Dialekt. "Aber ich habe einen alten Mann gesehen, der im Papierkorb gewühlt hat, verschämt, das hat mich sehr mitgenommen", berichtet sie den Beweggrund, aktiv zu werden.
Sie selbst könne ihren Ruhestand bestreiten, berichtet die Witwe. Aber als sie eine Wohnung suchte, um in die Nähe ihres Sohnes Luca in Berlin zu ziehen, musste sie feststellen, wie teuer die Mieten sind. "Ich bin dann nach Eberswalde gekommen und habe hier eine schöne Wohnung bezogen", erzählt sie. "Inzwischen finde ich auch mehr Kontakt, zum Beispiel zu den Nachbarn. "Eberswalde ist eine so schöne Stadt, um darin zu leben", schätzt die Senioren ein.
Dennoch will sie wie viele andere im Land aufstehen und auf die Probleme hinweisen, die es aus ihrer Sicht auch gibt. "Wir sind als reiches Land eines in Europa, das die niedrigsten Renten auszahlt", weist sie auf Defizite hin. "Es kann doch nicht sein, dass nach Jahrzehnten, in denen wir geschuftet haben, wir plötzlich zum Sozialamt gehen müssen", ärgert sich die frühere kaufmännische Angestellte. Sie hat viele Jahre ehrenamtlich bei der Caritas ausgeholfen und kennt viele Beispiele. "Die Tafel empfinde ich als wichtig, aber auch beschämend", sagt Curella.
Mit der Mahnwache am 24. Januar will sie nun etwas tun. "Wir fordern die steuerfreie Rente, ein solidarisches Rentensystem und sind gegen das menschenunwürdige System der künftigen Grundrente", nennt sie inhaltliche Ansätze des Protestes. "Rentengelder dürfen nicht mehr zweckentfremdet eingesetzt werden", macht Gerda Curella deutlich. Je mehr Senioren sich dem Protest anschließen würden, umso größer könne der Erfolg sein.
Kreative Plakate erwünscht
Kommen könne jeder, auch Jugendliche. Kreative Plakate und Schilder sind erwünscht. Diskussionen auf dem Marktplatz von Eberswalde dürften sich von ganz allein entwickeln, hofft Gerda Curella. Sie hat die Veranstaltung polizeilich angemeldet. Politisch verpflichtet sei die Initiative keiner Partei. "Die Betroffenen sollen im Mittelpunkt stehen", so die Eberswalderin.
Befürchtungen, die Gruppe könne von rechten Tendenzen unterwandert werden, weisen die Organisatoren der bundesweiten Aktionen zurück. "Wer 45 Jahre gearbeitet hat, soll nicht in Armut leben müssen", das sei die Intention, heißt es im Aufruf, der zehn Forderungen umfasst. Unter anderem sollen Kindergeld und Unterhalt nicht mehr als Einkommen angerechnet werden dürfen, Lebensmittel nicht mehr weggeworfen werden dürfen. Die Agenda 2010 sei zurückzunehmen.

Kommentar: Und jetzt die Alten


Bisher waren vor allem junge Leute auf der Straße, um sich für unseren Planeten einzusetzen. Sie machen sich Sorgen und fordern von Regierungen, mehr nachzudenken und vor allem endlich etwas zu tun. Mit den Gelbwesten und Protesten der Rentner in Frankreich ist der Funke nach dem Wunsch für Altersgerechtigkeit zu vielen deutschen Rentnern übergesprungen. Sie wollen nicht mehr schweigen und trotz vieler Arbeitsjahre auf staatliche Hilfe angewiesen sein.Deshalb ruft eine Initiative, die sich zuerst online formiert hat, dazu auf, öffentlich zu protestieren und konkrete Fälle zu bekämpfen. Altersarmut dürfe in Deutschland nicht Alltag sein. Ein Forderungskatalog, der unter "Fridays gegen Altersarmut" zu finden ist, listet inhaltliche Ansätze auf. Von Zehdenick über Schwedt bis Eberswalde wollen sich Senioren engagieren und ein solidarisches Rentensystem einfordern. Mit der Grundrente allein, meinen die Organisatoren, sei es nicht getan. Ungerechtigkeiten würden nur verschoben, blieben aber erhalten. "Jedem steht eine Rente zu", heißt es, "von der man in Würde leben kann." Das ist nur zu unterstreichen. Vor allem im Osten, wo aktuell keine Betriebsrenten oder Beamtensolde zur Abfederung dienen. Andrea Linne