Für Eberswalde werben ein Lufthansa-Airbus, ein Krater auf dem Mars, ein ICE der Deutschen Bahn - und auch seit drei Jahren ein Zug der Ostdeutschen Eisenbahn. "Ja", bestätigt Arnulf Schuchmann, Geschäftsführer der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg), "wir haben uns auch gefragt: Ist das gescheit, einen zweiten Zug ,Eberswalde' zu taufen?"
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Letztendlich war es aber klar, dass die Überlegung zugunsten der Waldstadt ausgeht. Die Beziehung der Verkehrsgesellschaft zu "dieser traditionellen Eisenbahnstadt" ist offenbar eine besondere. Immerhin hat das Unternehmen in Eberswalde einen seiner drei Betriebshöfe. Und der "Kiss"-Doppelstockzug hat diese Beziehung noch einmal untermauert. Für den neuen Zugtyp - die Abkürzung steht für "komfortabler innovativer spurtstarker S-Bahn-Zug" - hatte die Odeg-Tochter Ostdeutsche Instandhaltungsgesellschaft (Odig) die Eberswalder Werkstatthalle im vergangenen Jahr umfangreich ausgebaut. "Der Zug ist 103 Meter lang", sagt Schuchmann. "Das ist auch der Grund, weshalb die Halle von 43 auf 151 Meter verlängert wurde", erinnert der Odeg-Chef an die 5,6-Millionen-Euro-Investition.
Außerdem ist die Zugtaufe eine weitere Premiere. Erst im Dezember hatte das Unternehmen nach einer Ausschreibung durch den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg die zwei Regionalexpress-Strecken 2 und 4 übernommen. Unter den insgesamt 16 neuen Doppelstockzügen auf diesen Strecken ist der Eberswalde-"Kiss" der erste mit einem Namen. Überhaupt sind zwei Drittel aller 64 Odeg-Züge namenlos.
Zwischen Cottbus und Wismar (RE 2) und Jüterbog und Rathenow (RE 4) wird der "Eberswalde"-Zug nun unterwegs sein und dabei auch täglich am Bundeskanzleramt in Berlin vorbeirollen, versichert Schuchmann.
"Ich freue mich, dass damit der gute Ruf der Stadt weit über ihre Grenzen hinausgetragen wird", sagt da natürlich Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP). Er war es auch, der am Sonnabend das Taufwasser an den Zug platschen lassen durfte. Er hoffe, dass sich so noch mehr Menschen für Eberswalde interessieren "und uns auch mal besuchen kommen".
Viele nahmen das schon am Sonnabend wörtlich. Den Autokennzeichen nach zu urteilen, gehörten auch viele Berliner und Uckermärker zu den Besuchern beim Tag der offenen Tore. Unter anderem Abenteuerfahrten durch die Zug-Waschanlage, Draisinefahrten, Werkstattführungen bis unter die Triebwagen und einem Wettbewerb im Triebwagenziehen hatte die Odeg ein Programm für Eisenbahnfreunde aller Altersklassen organisiert.
Allein Hunderte warteten am Betriebshof-Bahnsteig gespannt auf die Zugtaufe. Auch Kay Wagner (30) saß Probe im neuen Zug mit Elektroantrieb. Vor allem das großzügige Platzangebot fand er lobenswert. "Der Zug war ja immer rappelvoll." Aber auch bisher schon sei das Bahnfahren mit der Odeg angenehmer als mit der Deutschen Bahn, wirft seine Schwägerin Annika Bartels aus Eberswalde ein. "Die Züge sind pünktlicher und zuverlässiger."
Mindestens bis zum Jahr 2022 sollen der "Kiss"-Zug "Eberswalde" im Einsatz sein, sagt Odeg-Chef Arnulf Schuchmann. Die Eberswalder werden ihren Werbeträger dabei vor allem auf dem Weg in die Wartungshalle sehen, so Schuchmann. "Und wir nutzen ihn etwa alle zwei Tage für die Zuführung auf der Regionalexpresslinie 60 am Abend."
Taufladung aus dem Sektkübel: Original Finowkanal-Wasser durfte Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski als feierlichen Akt mit Schwung an den Doppelstockzug namens "Eberswalde" platschen lassen.Fotos (2): Andreas Karpe-Gora
Das ganze Gegenteil: Außer dem modernen Odeg-Kiss konnten Besucher wie diese Berliner Truppe beim Tag der offenen Tore auch eine alte Draisine der Berliner Eisenbahnfreunde ausprobieren.
Ostdeutsche Eisenbahn tauft ersten Doppelstockzug / Hunderte Besucher beim Tag der offenen Tore