Das Buch "Anständig essen" von Karen Duve hat Katrin Brandt aufgerüttelt. "Von einem auf den anderen Tag habe ich aufgehört, tierische Produkte zu essen", erzählt die Kriminalbeamtin. Sie beginnt, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Wälzt Bücher, schaut Dokumentationen, recherchiert im Internet. Umso mehr sie über die Nahrungsindustrie erfährt, desto überzeugter ist sie von ihrer Entscheidung.
Das ist jetzt vier Jahre her. Ihr Umfeld reagierte zunächst skeptisch auf die Essensumstellung. "Das wäre mir damals auch so gegangen", sagt sie heute. Immerhin hieß es fortan: Kein Fleisch, kein Fisch, keine Eier, keine Milchprodukte, kein Honig. "Die meisten Menschen denken, dass man Lebensqualität einbüßt", erklärt Katrin Brandt und nimmt einen Schluck von ihrem Früchtetee. "Dem ist nicht so", schiebt sie hinterher. Ein Bedürfnis danach, tierische Produkte zu essen, habe sie nicht. Den Verzicht nehme sie nicht als Verlust wahr. "Es gibt genug Alternativen", begründet sie. Alternativen wie Tofu, Soja, Hafer- und Reismilch. "Mein Speiseplan ist heute viel bunter", resümiert sie, "früher habe ich das gegessen, was ich aus meiner Kindheit kannte." Heute landen beispielsweise auch Bulgur, Couscous und Tofu auf dem Teller. Vegetarisch und vegan zu kochen sei nur eine Frage der Übung, ist die 46-Jährige überzeugt.
2014 tritt Katrin Brandt der Tierrechtsinitiative einer Studentin der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde bei. Gemeinsam gründen sie im vergangenen Dezember die Regionalgruppe Barnim des Deutschen Vegetarierbundes. Die Gruppe fasst rund 15 Personen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. "Aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen", informiert Katrin Brandt, "Studenten, Lehrer, Rentner, Ärzte und Arbeitssuchende".
Alle zwei Wochen treffen sie sich zum Kochen und Pläneschmieden in den Räumlichkeiten des Vereins Hebewerk in Eberswalde. Vorbereitet werden Lesungen, Stände bei Veranstaltungen wie dem Schorfheidefrühstück und Schreiben an die Politik, wie jenes an die Barnimer Bürgermeister mit dem Appell, keine Stellflächen an Zirkusse zur Verfügung zu stellen, die mit Wildtieren arbeiten. Das wohl folgenreichste Vorhaben betrifft das Mittagessen an Schulen. "Es kann nicht sein, dass Schulkinder die Wahl zwischen Bratwurst und Schnitzel haben", findet Katrin Brandt. Sie wünscht sich eine echte Wahlmöglichkeit, eine zwischen vegetarischem und nicht-vegetarischem Essen. "Die Kindheit ist prägend für die spätere Ernährung", fügt sie an. Sie weiß, dass die meisten Veganer sich zuvor vegetarisch ernährt haben. Trotz fester Überzeugung - bekehren möchte die Kriminalbeamtin niemanden. "Es freut mich, wenn anderen veganes Essen schmeckt", sagt sie.
Das Wohl der Tiere steht für die Eberswalderin nach wie vor an erster Stelle. In ihrem Handeln ist sie konsequent. Ob sie Eier von Hühnern essen würde, die artgerecht aufgewachsen sind? "Männliche Küken werden geschreddert", lautet die Antwort. Kritik lässt sie kaum gelten. "Mangelerscheinungen habe ich nicht", kommentiert sie knapp. Sie ernähre sich abwechslungsreich. Regenwälder, die für Sojaanbauflächen gerodet werden? "Zur tierischen, nicht zur menschlichen Ernährung."
Vegan zu leben ist eine Lebenseinstellung, die auf moralischem und ökologischem Handeln fußt. Für Katrin Brandt ist Veganismus eine Einbahnstraße: "Ich kann nicht mehr zurück nach all dem, was ich erfahren habe", sagt sie.
Nächstes Treffen 19. November im Zwischenraum in der Havellandstraße 15 in Eberswalde; Anmeldung: vebu.barnim@aol.com