Wenn es nach der slowenischen Botschafterin geht, sollen die Besucher des Diplomatischen Salons drei Dinge mit nach Hause nehmen. Erstens: Slowenien ist kein Balkanstaat. Zweitens: Die Krainer Wurst und die Oberkrainer Musik kommen aus Slowenien. Und drittens: Eine Städtepartnerschaft zwischen Eberswalde und einem noch zu bestimmenden slowenischen Ort ist ein unbedingtes Muss.
Dieses launige Fazit, das Marta Kos Marko am Ende ihres Vortrages zieht, gibt einen Eindruck davon, wie unterhaltsam die Diplomatin den Dienstagabend in der Bibliothek des Bürgerbildungszentrums gestaltet hat. Auch das Publikum macht nicht den Eindruck, vom Exkurs durch die slowenische Mentalität und Geschichte gelangweilt zu sein. Unter den gut 40 Besuchern reicht das Urteil zum Abend von "kurzweilig" bis "sympathisch".
Sie beteiligen sich bereitwillig an der Diskussion, die sich im Anschluss an den Vortrag zwischen der Botschafterin und dem Initiator Martin Hoeck, dem Vorsitzenden des FDP-Kreisverbandes Barnim, entspinnt. Schnell kommt das Gespräch auf die aktuelle politische Lage.
Ein Wunder ist das nicht, schließlich hat es Slowenien einige Stunden zuvor in die Schlagzeilen geschafft mit dem Beschluss, künftig auch die Armee zur Sicherung der Grenzen einzusetzen. "Wir haben von Anfang an gesagt: "Wir schließen die Grenzen nicht'", sagt Marta Kos Marko und fügt hinzu: "Ich weiß aber nicht, wie lange wir das durchhalten." Slowenien habe sich bereit erklärt, täglich 2500 Flüchtlinge aufzunehmen. "Gestern kamen jedoch 8000", berichtet sie. So habe sich die Regierung gezwungen gesehen, das Gesetz zu ändern. Nun kann das Militär eingreifen - "nicht mit dem Gewehr, sondern logistisch", wie die Diplomatin es ausdrückt.
Marta Kos Marko spricht ein beinahe perfektes Deutsch mit leichtem Akzent. Hin und wieder erkundigt sich die eloquente Frau - kurze, dunkle Haare, dunkle Brille, dunkles Kostüm - nach dem richtigen Artikel für diesen oder jenen Fachbegriff. Aufgewachsen ist sie 65 Kilometer entfernt vom österreichischen Klagenfurt und deswegen stark geprägt vom "germanischen" Teil der slowenischen Mentalität, wie sie es nennt. "Schon als Kind bin ich mit dem Fahrrad rüber nach Österreich gefahren", berichtet die Botschafterin, Jahrgang 1965. Und das, obwohl das heutige Slowenien ja bekanntlich Bestandteil Jugoslawiens gewesen ist.
Bis 1991. Dann hat das kleine Land zwischen Italien, Österreich, Ungarn und Kroatien seine Unabhängigkeit erlangt. "Ich frage mich immer wieder: Wie war es möglich, dass wir überhaupt überlebt haben?", sagt die Diplomatin. Schließlich gebe es nur zwei Millionen Slowenen - auf einer Fläche, die gerade einmal zwei Drittel von Brandenburg umfasst.
Ihre Antwort darauf: die Kultur. Die werde hochgehalten. Als prominentesten Vertreter nennt sie den im Juli verstorbenen Begründer der Oberkrainer Musik Slavko Avsenik. Ein weiteres wichtiges Kulturgut: die Krainer Wurst - slowenisch kranjska klobasa. Auf die kommt Marta Kos Marko wiederholt zu sprechen. Auch im Hinblick auf eine mögliche slowenische Städtepartnerschaft mit Eberswalde. Da passt es gut, dass auch Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) unter den Gästen ist - und dass Gastgeber Hoeck der Botschafterin am Ende einen Präsentkorb überreicht. Gefüllt mit Wurstwaren "Made in Eberswalde".
Nächster Termin des Salons steht noch nicht fest.