Nur kurz schaut der Familienvater vorbei. Mit dabei hat er ein Kuscheltier, das, elektronisch betrieben, seinen Geist aufgegeben hat. Für Frank Menge vom Repaircafé kein allzu kniffliges Problem. "Ein kleiner Schubser", sagt der Elektronik-Ingenieur und Hobby-Schrauber. Dann setzt sich das Kunsthündchen in Bewegung, bellt sogar. "Ein halbes Jahr hat er sich jetzt nicht bewegt", sagt der Besitzer und tritt zufrieden den Heimweg an.
Seit über einem Jahr richtet Hebewerk monatlich seine Reparaturwerkstatt aus. Bislang im Schöpfwerk, wie der Verein seinen Treff in der Schöpfurter Straße 5 in Westend nannte. Am Sonnabend öffnete das Repaircafé, das unter der Maßgabe "Hilfe zur Selbsthilfe" funktioniert, erstmals in der Havellandstraße 15 im Brandenburgischen Viertel. Die fast 400 Quadratmeter im oberen Geschoss nahmen Hebewerk und andere Gemeinschaftshaus-Initiativen im März in Beschlag.
Ende 2014 war für Alnus, Freiraum, Hebewerk, Tauschring und Wandelbar der Traum vom Objekt am Kupferhammerweg 1 in Bahnhofsnähe geplatzt. Nach dem Vorbild offener Technologie-Labore, wie sie in Österreich erfolgreich sind, wollten die Initiativen dort ein freies Kulturzentrum mit Werkstatträumen starten.
Im Februar bewilligten die Stadtverordneten schließlich einen jährlichen 10 000-Euro-Zuschuss dafür. Die Anhänger bezogen zwei Standorte - mit Alnus, Hebewerk und Wandelbar eben den "Zwischenraum H 15" im Vereinshaus der Wohnungsbaugenossenschaft, zudem den kleineren "E 69" in der Eisenbahnstraße, in dem Tauschring und Freiraum ihre Ideen verfolgen.
Im Zwischenraum hat sich schon vieles getan. Auch am Sonnabend ist nicht nur im Repaircafé, wo unter anderem ein Holzauto, Staubsauger, Fön, Bügeleisen und Fernbedienung zu reparieren sind, einiges los. Heinz Risterbieter, 64, steht an einem der drei 3D-Drucker. Zwei sind selbst zusammengebaut. "Es sind schon ganz gute Ergebnisse herausgekommen", sagt er. Hilfreiche - so habe jüngst ein Segway-Betreiber Ideen für seine Steh-Roller ausdrucken lassen. Der Drucker half auch den Pfriemlern im nächsten Raum bereits weiter. An der CNC-Maschine fehlte ein Sauganschluss für die Fräs-Späne. Der konnte dank eines Plastikausdrucks nachgerüstet werden.
Am Sonnabend sitzt Brian Crotty an der Maschine. Per Computer lässt er sie Sperrholz-Bauteile fräsen. "Das wird ein open source beehouse", ein nach online frei zugänglichen Bauplänen konstruiertes Bienenhaus, erläutert der Kalifornier. Werkstätten aus Barcelona und Colorado haben die Pläne freigegeben. In Eberswalde könnten nach dem Vorbild die Bienenhäuser sowie ein Sensorsystem zur Beobachtung der Bienengesundheit nachgebaut werden - auch die Programmierer vom "H 15" haben Interesse daran bekundet.
"Was hier seit März passiert, finde ich toll - das läuft richtig an", sagt Christoff Gäbler vom Hebewerk-Verein. So treffe sich die Vegetariergruppe im Zwischenraum. Freiberufler kommen dienstags ab 10 Uhr zu einem "Co-Creation Lab" zusammen, so Gäbler. Physiker und Informatiker suchen gemeinsam nach alternativen Möglichkeiten der Energiegewinnung. "Und am Freitagabend hatten wir 20 Leute hier zum Six-to-Zero", Technikbegeisterte, die nach Feierabend zwischen sechs und null Uhr Apps programmieren oder an einem Freifunknetz tüfteln.
Trotz der vielversprechenden Entwicklungen halten die Initiativen an ihrem Plan, gemeinsame Räume in der Innenstadt zu suchen, fest. Der Zwischenraum soll drei Monate bestehen. "Die Mietverträge sind erst einmal so befristet, dass wir uns das Ziel setzen, dann weiterzusuchen", sagt Hebewerk-Mitstreiter Fabian Wulf. Man werde nicht Knall auf Fall alles abreißen, wenn diese Zeit herum ist, aber sich auch nicht festsetzen im Vereinshaus. "Wir schauen uns gerade verschiedene Objekte an, sind auch mit Privaten im Gespräch."
Noch im April soll der schon längst öffentlich genutzte Zwischenraum aber erst einmal offiziell eröffnet werden.