Vor 180 Jahren hat der Schulrektor und Prediger Ernst Daniel Martin Kirchner in Eberswalde eine Betreuungsstätte gegründet, die er Kleinkindschule nannte. Sein Ziel war es, Frauen die Berufstätigkeit zu ermöglichen, indem er ihre Kinder in Obhut nehmen ließ. So entstand der erste Kindergarten der Mark Brandenburg. Einer, der mit einer von den Nationalsozialisten erzwungenen Zwangspause von 1941 bis 1945 bis heute besteht. Und so kann der evangelische Kindergarten "Lasset die Kindlein zu mir kommen" dieses Jahr ein landesweit einmaliges Jubiläum feiern.
"Wir bereiten aus diesem tollen Anlass für Mitte Mai ein Festwochenende vor", kündigt die Kita-Leiterin Elvira Behmler an, die sich mit zehn Erzieherinnen und zwei Wirtschaftskräften um aktuell 117 Mädchen und Jungen kümmert. Die meisten Kinder sind im Stammhaus an der Pfeilstraße untergebracht, das ab 1893 genau für diesen Zweck errichtet wurde. Vorübergehend sind 17 Mädchen und Jungen überdies in einem der Häuser der Stadtkirchengemeinde an der Mühsamstraße untergebracht.
Das Festwochenende wird am 12. Mai mit einem Tag der offenen Tür an der Pfeilstraße eröffnet. "Ab 9.30 Uhr heißen wir unsere Besucher willkommen", sagt Elvira Behmler. Nicht nur sämtliche Räume können in Augenschein genommen werden. Auch eine Chronik liegt zum Aufblätterm bereit. Und es gibt eine Ausstellung zum Thema "Evangelischer Kindergarten - damals und heute". Ein geführter Rundgang durchs Haus und ein Vortrag zur Geschichte runden das Programm ab. Die Feierlichkeit wird dann zu 14.30 Uhr in die Maria-Magdalenen-Kirche verlegt. Auch dort ist für Musik und Tanz sowie für das leibliche Wohl gesorgt. Überdies wird ausreichend Zeit sein, gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen.
Das Jubiläum findet am 13. Mai ab 10.15 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Maria-Magdalenen-Kirche seinen Abschluss. Im Anschluss wird zum Kirchenkaffee eingeladen.
"Wer noch Bilder, Berichte oder Anekdoten rund um den Evangelischen Kindergarten beisteuern möchte, kann sich liebend gern persönlich, telefonisch oder per E-Mail bei mir melden", betont Elvira Behmler. Und hofft auf viel Resonanz.
Der erste Standort der Kleinkindschule war in der Schneiderstraße. Dort nahm sich in einem angemieteten Raum eine Witwe Lindemann, deren Vornamen nicht überliefert ist, der Kleinen an, deren Mütter dem Ruf der Industrialisierung folgten und arbeiten gingen.
Viele Jahrzehnte lang wurden die Kinder später von Diakonissen gehütet, die aus dem Lazarus-Haus in Berlin stammten.