Manchmal fühle er sich schon ein wenig einsam, gibt Wolfgang Karwath zu. Gerade in der Adventszeit vermisse er familiäre Kontakte, obwohl er zum Glück viele gute Freunde habe, sagt der Rentner. „Einer meiner Kumpel war es auch, der mir einen Floh ins Ohr gesetzt hat, den ich seither nicht mehr los werde“, verrät der 75-Jährige, der sein Berufsleben überwiegend im Walzwerk Finow verbracht hat.

Ahnenforschung in eigener Sache

Der Kumpel habe ihm berichtet, dass er früher in Niederdorla in Thüringen gelebt habe und dort häufiger auf den sonst ja nicht allzu weit verbreiteten Nachnamen Karwath gestoßen sei. „Da haben bei mir alle Alarmglocken geläutet“, sagt Wolfgang Karwath.
Nach und nach sei in ihm die Idee gereift, mit seinen eher bescheidenen Mitteln der Anlegenheit auf den Grund zu gehen und sozusagen Ahnenforschung in eigener Sache zu betreiben. Denn er könne sich noch gut daran erinnern, dass seine Mutter Gertrud Karwath häufiger von ihrem Bruder Paul erzählt habe, zu dem sie leider viele Jahrzehnte lang keinen Kontakt mehr hatte. Das Einzige, was sie zu wissen glaubte, sei gewesen, dass ihr Bruder als wandernder Maurergeselle beim Bau des Wasserturms in Finow mitgeholfen habe. Seine 1921 in Schlesien geborene Mama, die seit 1939 in Eberswalde gelebt hatte, kann der Walzwerker im Ruhestand nicht mehr über ihren Bruder ausfragen. Sie sei 2005 verstorben.

Vor über 100 Jahren in Eberswalde

Allein der Hinweis darauf, dass Paul Karwath zu den Erbauern des Wasserturms in Finow gehört habe, würde manchen anderen Zeitgenossen nachhaltig entmutigen. Denn das Wahrzeichen des heutigen Eberswalder Stadtteils war bereits 1917/1918 errichtet worden – nach einem Entwurf des Berliner Architekten Paul Mebes (1872 bis 1938) und für die Wasserversorgung der Hirsch, Kupfer- und Messingwerke AG sowie ihres Umfeldes.
Es ist also mindestens 103 Jahre her, dass sich der Onkel von Wolfgang Karwath vorübergehend in Eberswalde aufgehalten hat. Die Chance, dass dieser Verwandte noch lebt, ist folglich gleich Null. „Natürlich habe ich Paul Karwath nie persönlich kennengelernt. Und mir ist auch sonnenklar, dass dies gewiss nicht mehr klappt“, sagt der Rentner. Die Hoffnung, verschollen geglaubte Familienmitglieder irgendwann einmal persönlich kennenlernen zu dürfen, richtet er daher auf die Nachfahren seines Onkels, die vielleicht in Niederdorla in Thüringen zu Hause sind. Der Ortsteil der Landgemeide Vogtei im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen liegt am Nordrand des Nationalparks Hainich und hat noch etwas mehr als 1000 Einwohner. Ob immer noch Karwaths darunter sind?

Dem eigenen Vater auf der Spur

Nur kurz habe er erwogen, selbst nach Niederdorla zu reisen und sich vor Ort zu erkundigen. „Doch für ein solches Abenteuer fühle ich mich zu alt“, sagt Wolfgang Karwath. Seine Suche im Kreisarchiv Barnim sei ergebnislos geblieben. Und eine umfassende Recherche am Computer traue er sich nicht zu. Also setzt der Rentner halbwegs optimistisch auf den Aufruf in der Öffentlichkeit. „Wenn sich niemand meldet, habe ich ja auch nichts verloren“, sagt er.
Einmal ist es Wolfgang Karwath bereits gelungen, seine Familiengeschichte besser auszuleuchten. Nach dem Tod seiner Mutter hat der Eberswalder seinem Vater nachgespürt, von dem ihm nur bekannt war, dass er sich 1946 in den Westen abgesetzt hatte. Martin Neu sei sein Name gewesen. Seinen Erzeuger habe es nach Mannheim verschlagen. Dort sei der 1911 Geborene dann 1975 gestorben.

Bestenfalls neue familiäre Kontakte

Sollte Wolfgang Karwath das Kunststück hinbekommen, in Niederdorla Nachfahren seines verschollenen Onkels auftzutreiben, könnten bestenfalls neue familiäre Kontakte zustande kommen. „Auf jeden Fall würde ich dann aber den Floh loswerden, den mir mein Kumpel ins Ohr gesetzt hat“, erklärt der 75-Jährige.