Auch wenn die Kreidetafel überwiegend Geschichte ist – das digitale Klassenzimmer ist in vielen Schulen noch Zukunftsmusik. Nicht so in der Eberswalder Akademie 2. Lebenshälfte. Mit Tablet-Arbeitsplätzen und interaktiven Hightech-Tafeln dürfte die Bildungseinrichtung für Menschen ab 50 derzeit der modernste Lernort im Barnim sein. Im Beisein von Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) hat die Akademie am Dienstag ihr digitales Klassenzimmer eingeweiht.
Teilnehmer verschiedener Kurse sind gekommen. Englisch-Dozentin Margit Streblow präsentiert ihnen mit der neuen Technik gleich eine Aufgabe. Geldnoten aus aller Welt sind Ländern zuzuordnen. Die Aufgabe aus dem Buch wird per Dokumentenkamera übertragen und am großen Monitor gelöst. Später schreiben Marion Köstler, Geschäftsstellenleiterin der Akademie in Eberswalde und Boginski gemeinsam an die Tafel: „Das digitale Klassenzimmer ist eröffnet.“
Wer heute teilhaben wolle am Leben, der sollte sich der Digitalisierung stellen, „auch weil es irgendwann lebensnotwendig wird“, sagt der Bürgermeister. Akademie-Chefin Köstler ist bewusst, dass die Zielgruppe „digital gespalten“ ist. Gleichwohl setzt sie darauf, „die digitale Akzeptanz zu stärken“. Die Akademie mache diese Aufgabe zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit.
In den zwei größeren Kursräumen gibt es nun die interaktiven Flachbildschirme, sogenannte Active Panels. Jeweils ein Rechner am Dozentenarbeitsplatz dient der Steuerung. Die Dokumentenkamera hat den Beamer abgelöst. Acht Notebooks im einen, zwölf Tablets, ausgerüstet mit Tastatur und Kopfhörern gibt es im anderen Kursraum.
„Wir als Verein hätten uns nie im Leben diese Ausstattung kaufen können“, sagt Marion Köstler. „Das sind etwa 20 000 Euro, was Sie hier sehen.“ Genutzt hat die Akademie dafür das seniorenpolitische Maßnahmenpaket des Brandenburger Sozialministeriums. Dazu gab es Mittel vom Bildungsministerium.
Naheliegend ist, dass die Technik für den Unterricht im digitalen Bereich zum Einsatz kommt. „An der Spitze stehen da ja unsere Smartphone-Kurse“, sagt die Akademie-Chefin. „Die Vision ist aber, dass wir das digitale Klassenzimmer für alle Kurse und Veranstaltungen nutzen wollen.“ Dazu gehören auch Vorträge aus dem Bereich Kunst und Kultur, Reiseberichte oder der Kraftfahrerstammtisch. 2017 haben rund 600 Menschen die Akademie-Angebote genutzt.