Zwischen 14 und 19 Uhr können Menschen aus verschiedenen Nationen am Sonnabend im Park am Weidendamm ganz unverblümt ausgefragt werden. Genau genommen stellen sie lebendige Bücher dar und dürfen für einen Zeitraum von bis zu einer halben Stunde sogar entliehen werden. Zwei Männer aus Kamerun werden dabei sein, eine Frau aus Kenia, zwei Männer und eine Frau aus Syrien sowie ein Kurde aus dem Irak.

Internationaler geht es nicht

Veranstaltet wird diese ungewöhnliche Art der Begegnung vom 41-jährigen Saamah Abdallah, der seit 2016 in Eberswalde lebt. Und nein,  er kam nicht mit der Fluchtbewegung der vergangenen Jahre seit 2015 nach Deutschland sondern stammt aus Groß Britannien.  Er scheint prädestiniert für einen solch multikulturellen Nachmittag. „Meine Eltern kamen 1975 nach Groß Britannien. Mein Vater war 1948 von Palästina nach Jordanien geflohen. Meine Mutter stammt aus Ägypten“, erklärt Abdallah, dessen Frau Polin ist.

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Mehr Internationalität vereint in einer Person geht fast nicht. Derzeit promoviert er in Erfurt im Fach Kommunikationswissenschaften, will Eberswalde anschließend aber treu blieben und in Berlin oder der näheren Umgebung arbeiten.

Woher kommen Sie ursprünglich?

Bei den lebenden Büchern, wie Saamah Abdallah sie nun in den Park am Weidendamm mitbringt, gehe es natürlich darum, Vorurteile gegenüber Menschen abzubauen. Die sieht er gegenüber arabischen Männern, die oft als gefährlich wahrgenommen werden. Die Vorfälle in der Silvesternacht 2015 in Köln hätten einen schlimmen Einfluss gehabt.
Durch die Fluchtbewegung habe sich das Bild in Eberswalde und anderen ostdeutschen Städten geändert. Die Frage woher er ursprünglich kommt oder woher seine Eltern stammen sei hierzulande typisch, meint Abdallah. In Groß Britannien, das eine längere Geschichte mit Migration habe, und wo Menschen verschiedener Hautfarbe schon länger das öffentliche Bild prägen, sei das anders.

Idee stammt aus Dänemark

Wer Fragen hat, ist am Tag der Deutschen Einheit eingeladen, sie zu stellen. Die Idee mit den lebenden Büchern stammt nicht von Saamah Abdallah. „Das gibt es schon seit 20 Jahren und kommt aus Dänemark“, verrät er. „Es ist wie überall. Die Menschen leben nebeneinander her, kommen aber nicht in Kontakt miteinander“, so der Eberswalder. Das könnte sich am Sonnabend im Park am Weidendamm ein wenig ändern.

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