Nein, um ihn ginge es diesmal nicht, sagt Bernd Hübner. Und doch sind seine Arbeiten überall im Anbau seines Hauses in Britz verteilt. Dazwischen Entwürfe für Zeichnungen, einen Ausstellungskatalog und Grafiken wie Fotos in Passepartouts. Die Vorbereitungen für die Jubiläumsschau der Märkischen Schmierfinken laufen auf Hochtouren. Vom 2. Juli bis 15. August erzählen die Arbeiten der bis zu zehn Mitstreiter im Eberswalder Rofinpark ihre Geschichten.

Industriegebäude als Ausstellungsfläche für die Schmierfinken

In zehn großen Kabinen werden zwischen den Stahlträgern Stellwände stehen. Jeder „Schmierfink“ – ob noch dabei oder schon verstorben – erhält seine eigene Ecke in Halle 54. Die Stadt bespielt das Industriegebäude während des Kulturlandjahres 2021 mit wechselnden künstlerischen Angeboten. Nun dürfen sich die Hobbyzeichner präsentieren. Das sorgt für viel Arbeit.
Die Chroniken, fein säuberlich aufgeschrieben und geführt seit Gründung des Mal- und Zeichenzirkels, verbürgt für den 27. August 1981, liegen aufgeblättert. Unter dem Dach des VEB Schlacht- und Verarbeitungskombinates Eberswalde/Britz (SVKE) trafen sich anfangs nur zwei, drei Leute.
Kerstin Fischer, später Gast, leider sehr jung verstorben, hielt die Gruppe zusammen und sorgte für fachliche Intentionen auf hohem Niveau. Fein ziseliert sind die Bleistiftzeichnungen, die erhalten blieben. Sehr genau werden in den überlieferten Chroniken auch Ausflüge, Diskussionen, Ausstellungen vermerkt, sind Gemeinschaftsarbeiten zu sehen.

Eberswalder Exposition führt durch die Jahrzehnte und Lebensabschnitte

Bernd Hübner, der sich selbst gern auf Reisen begibt, hat alles aufgearbeitet und gemeinsam mit seinem Sohn Nick einen Katalog entworfen, der durch die Jahre wandert. Das dicke Werk wird noch gedruckt und mit vielen Reproduktionen versehen auch in Halle 54 zu bekommen sein. Da die Werke der einzelnen Mitstreiter auch erworben werden können, fällt die Auswahl der Kunstliebhaber vielleicht leichter mit einem hintergründigen Blick auf das Vorhandene. Die Arbeiten mit unterschiedlichen Handschriften führen durch Jahrzehnte und Lebensabschnitte.
Hübner selbst war 38 Jahre alt, als er 1983 dem Zirkel beitrat. „Das Zeichnen ist aufbauend wie das Leben selbst“, sagt der Malermeister im Ruhestand, der so gern Kunst studiert hätte. Aber er war zu jung, seine Arbeiten noch nicht bereit für die Kunsthochschule in Berlin-Weißensee. Also ging es ins Handwerk des Malerberufes. Auch alle anderen Protagonisten gingen ihren Weg, konnten aber ihrem Talent im Zirkel, aus dem nach der Wendezeit der Verein Märkische Schmierfinken hervorging, freien Lauf lassen. Durch Gespräche mit Profis, Besuche von Ausstellungen samt kritischer Auseinandersetzung mit der Zeit und den Werken entwickelte sich jeder auf seine Weise weiter.

Nachwuchs für Zeichengruppe dringend gesucht

Hervorgegangen aus dem Zirkel ist auch Ina Abuschenko-Matwejewa, die sich als Vollprofi international einen Ruf erarbeitet hat. Installationen und Papierarbeiten sind das Metier der gebürtigen Bernauerin, die in Eberswalde lebt. „Der fachliche Austausch war uns immer wichtig“, sagt Hübner. Ausstellungen sind wichtig, um zu sehen, wo man steht und um in den Austausch mit dem Publikum zu treten.
So schaffte es das Bild „Mein Balkon“ von Claudia Graupner einst sogar in eine Ausstellung in Paris. Ein Kind spielt mit Puppen, der Schnittlauch sprießt im Blumenkasten, dahinter erhebt sich die kühle, kahle Welt eines modernen Neubaugebietes. Teilnahmen an den Ruhrfestspielen, Kreisschauen und Bezirksausstellungen haben die Schmierfinken in ihrem künstlerischen Schaffen vorangebracht. Jetzt brauchen sie Nachwuchs.

Freude am Malen und Kreativsein für Eberswalder Zirkel wichtig

Ein bisschen sorgt der Verein schon selbst vor. So ist eine Kooperation mit der Britzer Schule im Plan, um talentierte Kinder gezielt zu fördern. „Wir haben schon mit Kindern gearbeitet. In ihnen steckt eine erstaunliche Sicht auf die Welt“, sagt der 78-Jährige. Er ist durch die Zeit gewandert und immer positiv geblieben – mit kritischen Blick auf seine Umgebung und die Menschen darin. Diese Freude zu vermitteln, das sei Ansporn für den Verein.
Mit Pinsel und Staffelei auf dem Weg in die Zukunft – die Märkischen Schmierfinken als Verein empfehlen sich mit der Ausstellung im Rofinpark. Diese soll täglich ab 15 Uhr geöffnet sein. Hübner: „Ich hoffe, dass viele Eberswalder vorbeischauen.“
Wer Lust hat, sich selbst künstlerisch auszuprobieren, kann gern im Heuweg 5 in Britz vorbeischauen oder unter 03334 42138 anrufen. Am Rande der Ausstellung ist auch ein Podiumsgespräch geplant. Genauer Termin und Zeit werden noch bekanntgegeben. Die Eröffnung der Exposition ist für den 2. Juli um 18 Uhr in Halle 54 im Eberswalder Rofinpark geplant.