Trotz Ferien und Urlaubszeit, in der Abteilung Kindertagesstätten im Rathaus herrscht derzeit Hochbetrieb. Die Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun. Eltern stehen oft Schlange, um einen Kita-Platz zu beantragen, um schnell noch einen Hort zu finden oder Gebühren neu berechnen zu lassen.
Die Kollegen um Sachgebietsleiterin Anke Bessel kommen ganz schön ins Schwitzen. Nicht nur wegen der Temperaturen unterm Dach des Rathauses. Der Andrang von Eltern ist so groß wie selten. Was häufig mit dem Wechsel des Nachwuchses zum Schuljahresbeginn zu tun hat. 30 bis 60 Mütter und Väter sollen es zum Teil aktuell pro Sprechtag sein. Da ist oft Geduld gefragt.
Susanne Tohm und Henrik Blümke haben indes Glück. Die jungen Eltern aus Westend müssen nicht lange warten, sie sind gleich dran. „Wir sind hier, um die Betreuungszeit auf 50 Stunden erhöhen zu lassen“, erklärt das Paar, derweil Sohn Luis (sieben Monate) quietschvergnügt im Wagen sitzt. Den sogenannten Rechtsanspruchsbescheid vom Landkreis haben sie dabei. „Ich gehe ab Dezember wieder arbeiten“, erklärt die Mutter. Damit sind beide berufstätig. Einen Kita-Platz haben sie bereits. „Zaubernuss oder Zwergenland. Das ist noch nicht ganz klar. Da gibt es noch ein paar Irritationen“, so der Vater. Letztlich sei dies „aber egal“. Denn beide Kitas lägen in Westend, wo sie eben wohnen. Ab November soll Luis zur Eingewöhnung.
Mehr Stunden braucht auch Swetlana Ewert. „Unter Vorbehalt haben sie das jetzt angenommen“, sagt die junge Frau, als sie aus dem Büro kommt. Es fehle noch der Bescheid vom Jugendamt, wo sie einen entsprechenden Antrag gestellt hatte. Ab 1. August hat sie nämlich wieder einen Job, in Wandlitz. Ihre drei Jungs (vier und fünf Jahre) gehen ins „Kinderparadies Nordend“, derzeit noch mit einer Betreuungszeit von 30 Stunden, dann bis zu 50. „Das müsste schneller gehen“ beim Kreis, findet Ewert. Wer kurzfristig in Arbeit kommt, brauche zügig eine Bestätigung.
Die meisten Eltern kämen aktuell zur Neuberechnung der Gebühren, erklärt Anke Bessel. Wenn das Kind etwa vom Krippen- in den Kindergartenbereich wechselt oder wenn es zur Schule kommt und damit ab August den Hort besucht. Dazu müssen die Mütter und Väter beispielsweise ihren Verdienst nachweisen. „Gleichzeitig erstellen wir auf Wunsch eine Bedarfsberechnung fürs Jugendamt“, ergänzt Amtsleiterin Kerstin Ladewig. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn der Kreis aufgrund eines geringen Einkommens der Eltern einen Teil der Kosten oder sogar die Gebühren komplett übernimmt. „Das ist ein Service, den wir seit etwa sieben Jahren mit anbieten“, so Ladewig.Noch werden die Gebühren natürlich nach der alten, bis heute gültigen Satzung berechnet. Tritt die neue in Kraft, über die das Parlament gerade debattiert, erhalten die Eltern neue Bescheide. „Das passiert automatisch. Dazu muss niemand noch mal hier ins Amt.“
Einige Eltern brauchen auch noch dringend einen Hortplatz, wenn etwa die Kapazität in der bisherigen Kita nicht ausreicht. Trotz Knappheit, aktuell würden noch drei oder vier Kinder für die 1. Klasse auf einen Hortplatz warten, heißt es. Zu 98 Prozent könne die Stadt alle Elternwünsche erfüllen.
Um den Bedarf an Kita-Betreuung zu decken, „schöpfen wir alle Kapazitäten aus, die vom Ministerium genehmigt sind“, versichert die Amtsleiterin. Einen sprunghaften Anstieg von Anmeldungen durch die Einführung des beitragsfreien Vorschuljahres im Land per 1. August könne die Stadt nicht verzeichnen. „Die Betreuungsquote ist bei uns ja schon sehr hoch“, im Vorschuljahrgang gebe es in der Stadt in der Regel lediglich zwischen 7 und 14 „Hauskinder“.
Insgesamt besuchen derzeit um die 1600 Mädchen und Jungen eine städtische Einrichtung. Offiziellen Angaben zufolge warteten zuletzt um die 200 Eltern auf einen Kita-Platz. Neue Zahlen werden per 1. September erhoben. Vorrang bei der Vergabe hätten berufstätige Eltern sowie Eltern, deren Kinder einen „besonderen Erziehungsbedarf“ hätten, so Ladewig. Dies sei im Kita-Gesetz, Paragraf 1 zum Rechtsanspruch, so geregelt. Um den Anspruch zu sichern, sollen die Kapazitäten erweitert werden. Vor allem in Ostend/Süd-end. Im „Kinderparadies Nord-end“ ist das Angebot gerade um 25 Plätze aufgestockt worden.