Dabei könnte der Mangel an Fachkräften im Bauhandwerk bald zu einem größeren und sehr ernsthaften Problem werden, befürchtet Astrid Gehrke, Bezirksvorsitzende der IG Bau im Barnim.
Der Mangel an Fachkräften schlägt sich bereits auf zahlreiche Baufirmen im Landkreis nieder und könnte sich in den kommenden Jahren potenzieren, fürchten die Fachleute. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach gibt es in den Bauberufen immer größere Schwierigkeiten, Personal für offene Stellen zu finden.
Im vergangenen Jahr blieben im Kreis Barnim immerhin schon 108 Stellen in der Branche länger als 90 Tage unbesetzt. 2018 waren es 76 Stellen, ein Jahr zuvor 59. Zahlreiche Firmen wissen sich keinen Rat mehr. Sie haben ihre Firmenwagen mit Aufschriften geschmückt und werben mit Sonderzahlungen um die Fachleute, die fehlen.
"Ob es um den Bau von Wohnungen und Straßen oder die Sanierung von Brücken geht – viele Firmen arbeiten wegen der anziehenden Nachfrage längst am Limit. Und das sogar in Zeiten von Corona. Um die Aufträge zu bewältigen, müssen sie jetzt in die Fachleute von morgen investieren", ermuntert Astrid Gehrke weiter. So müsse die Branche deutlich attraktiver werden als bisher. Das fange bei einer besseren Bezahlung an, so Gehrke. In der laufenden Tarifrunde für das Bauhauptgewerbe fordert die Gewerkschaft ein kräftiges Lohn-Plus. Außerdem soll die lange, bislang meist unbezahlte Fahrerei zur Baustelle entschädigt werden. Jeder Firma komme hier eine besondere Verantwortlichkeit zu.
"Aktuell erleben wir einen regelrechten Facharbeiter-Schwund. Drei Jahre nach der Ausbildung haben im Schnitt zwei von drei Bauarbeitern ihre Branche verlassen. Der Trend muss unbedingt gestoppt werden", betont Gehrke. Neben höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen komme es dabei auch auf ein gesundes Betriebsklima an.
Beschäftigte vermissten häufig Respekt und Anerkennung für ihre Leistung. Auch Lob stärkt das Selbstbewusstsein der Angestellten. "Kein Wunder, dass sich mancher da nach einem anderen Beruf umschaut", ist eine Beobachtung der IG Bau.