Auch wenn die Bezeichnung "Irren-Anstalt" anderes vermuten lässt, das nach den Plänen des Architekten Martin Gropius errichtete Krankenhaus war eine der modernsten psychiatrischen Kliniken der damaligen Zeit. Sowohl betreffs Bauweise als auch betreffs Medizin.
Dr. C. M. F. Sponholz, erster ärztlicher Leiter der Eberswalder Anstalt, fasste seine Eindrücke damals so zusammen: "Kommt man von Neustadt, Freienwalde oder Oderberg, so glaubt man ein großartiges, im modernen Styl ausgeführtes Schloss vor Augen zu haben ... die Architektur des Ganzen, so edel und aus geläutertem klassischen Geschmack hervorgegangen sie sich darstellt, so einfach und jedes künstlichen und überflüssigen Beiwerks bar ist sie."
Für 400 Kranke konzipiert, sollte die Anstalt schon bald zu klein sein. Wenige Jahre nach der Eröffnung wurden bereits Erweiterungsbauten geplant. 1939 war schließlich mit 1629 Betten die höchste Kapazität in der Geschichte erreicht. Heute zählt das Fachkrankenhaus an der Oderberger Straße gut 400 Plätze im stationären Bereich sowie knapp 100 Plätze in den Tageskliniken. Hinzu kommen ambulante Angebote. 1865, 2015 - dazwischen liegen aber vor allem auch 150 Jahre Psychiatriegeschichte und -entwicklung. Mit wechselvollen Jahren, etwa in der Zeit des Zweiten Krieges, und einer frappierenden Entwicklung nach der Wende.
"Während im 19. Jahrhundert und auch noch bis in die 90-er Jahre des 20. Jahrhunderts psychiatrische Anstalten als Wohn- und Verwahrort chronisch psychisch Kranker und geistig Behinderter dienten, hat eine psychiatrische Klinik heute ausschließlich auf Diagnostik und Therapie (...) ausgerichtete Aufgaben", macht Chefärztin Dr. Angelika Grimmberger im Buch "Gropius in Eberswalde" deutlich. "Durch die Entdeckung und Einführung differenzierter Behandlungsverfahren, vor allem der Psychopharmaka in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sind viele Krankheiten, die zuvor als kaum oder gar nicht heilbar galten, heute oft gut zu bessern."
Ein Paradigmenwechsel und ein Imagewandel haben sich vollzogen. Ein Wechsel, der sich auf den Stationen widerspiegelt, wie auch in der Vielfalt der heutigen Behandlungsangebote. Die psychiatrische Klinik hat sich längst geöffnet. Einen Einblick in den Klinikalltag und die modernen Möglichkeiten wollen die Mitarbeiter den Eberswaldern zum Geburtstag geben.
Anlässlich des Jubiläums bereitet die Klinikleitung eine Festwoche vom 5. bis 9. Oktober vor. Am Montag seien Fortbildungen für Ärzte geplant, am Dienstag halten die Chefärzte der Kliniken im Museum in der Adler-Apotheke Vorträge für interessierte Bürger und am Mittwoch gebe es einen Tag der offenen Tür, erklärt Karolin Reinfeldt, Assistentin der Verwaltung. Dabei können die Eberswalder an einer Führung durch den Gropius-Bau teilnehmen, Uwe Schneider, technischer Leiter, wird fachkundige Erläuterungen geben. Die einzelnen Kliniken und Abteilungen stellen sich vor. Mit ganz praktischen Angeboten. Die Palette reicht etwa von Lichttherapie bis zum Demenztest. Am Donnerstag steht ein Patientensportfest auf dem Programm. Ein Mitarbeiterfest am Freitag wird die Woche beschließen. Zudem habe die Klinik die Schulen Eberswaldes zu einem Kurzfilmwettbewerb aufgerufen. Die Preisverleihung werde im Rahmen der Festwoche erfolgen.
Das "Gropius" vereint fünf Kliniken: zwei psychiatrische Kliniken für Erwachsene, eine Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Klinik für Neurologie mit der Stroke unit (Schlaganfallstation) sowie die Klinik für forensische Psychiatrie (Maßregelvollzug). Sechs Tageskliniken, Spezial-Ambulanzen sowie eine Behinderten-Einrichtung komplettieren das Angebot. 2014 wurden im "Gropius" gut 5400 Patienten stationär sowie mehr als 10 000 ambulant behandelt.