Wie sieht eigentlich Europa aus? Eine Frage, die Künstlerin Antoinette seit vielen Jahren bewegt und die wegen der europäischen Krise hochaktuell ist. Laut dem griechischen Mythos über die Gründung des Kontinents war Europa der Name einer phönizischen Königstochter. Zeus verliebte sich in die junge Frau und entführte sie in Gestalt eines Stiers auf die heutige Insel Kreta. Dort bekam sie mit ihm drei Söhne, die wiederum Kinder zeugten, die den Kontinent besiedelten. Damit gilt die Prinzessin als Mutter Europas.
Immer wieder malte die Künstlerin großformatige Bilder, die diese Europa zeigen. Aus der Fantasie. Dann fragte die 59-Jährige sich, wie das Gesicht dieser Europa tatsächlich aussehen könnte. Dies alles berichtet sie rund 30 Gästen bei der Veranstaltung Barnimer Potenziale der Volkssolidarität am Mittwochabend im Café des Bürgerbildungszentrums.
Antoinette, die durch ihre lebensgroßen Porträts von 180 Berliner Persönlichkeiten international bekannt wurde, beschäftigt sich momentan damit, Frauen abzubilden, die das Europa der Gegenwart geprägt haben. Denn trotz des griechischen Mythos, deren Hauptfigur weiblich ist, waren Frauen lange Zeit nur im Hintergrund aktiv. Das große Weltgeschehen bestimmten Männer. Erst durch die Frauenbewegung rückte das weibliche Geschlecht in die erste Reihe. Bis zum hundertjährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts 2018 möchte Antoinette mindestens Hundert Porträts von bedeutenden Vertreterinnen Europas anfertigen. Darunter Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Visionärinnen. Im Fokus stehen aber auch Frauen, die in ihrer Region etwas leisten, berichtet die Malerin. "Denn Europa besteht aus Regionen, aus Provinz, aus Großstadt." So ist es für die Künstlerin selbstverständlich, dass sie auch Frauen aus ihrer jetzigen Heimat Eberswalde porträtiert.
Ein Bildnis, das bei der 2018 geplanten Ausstellung gezeigt werden könnte, ist die Pastellzeichnung der Eberswalder Fit&Fun-Trainerin Manuela Vogt. "Manu ist eine außergewöhnliche Frau", sagt Antoinette später bei einem Telefonat. Die Fitnesstrainerin sorge sich in einem besonderen Maß um die Gesundheit ihrer Klienten und habe ihr selbst sehr geholfen. Es würden sogar Freundinnen aus Berlin anreisen, um bei ihr zu trainieren.
Bisher hat Antoinette circa 30 solcher Porträts angefertigt. Von Frauen aus Italien, Österreich, der Schweiz und Polen. "Als Nächstes reise ich nach Griechenland, in die Türkei und nach Spanien", so die Künstlerin. Da sie selbst jedoch oft nicht wisse, welche Frauen in anderen Ländern Bedeutsames geleistet hätten, habe sie vor Ort Kontaktpersonen, die ihr weiterhelfen.
Ein positiver Nebeneffekt: So entsteht ein europaweites Netzwerk engagierter Frauen, deren Bindeglied die Porträtserie ist, erzählt Antoinette. Bei der geplanten Ausstellung, die in Berlin erfolgen soll, möchte sie den Porträts Tonaufnahmen der Modelle an die Seite stellen. Außerdem seien Symposien mit den Akteurinnen zu zahlreichen Zeitfragen geplant.
"Wissen Sie, woher die Königstochter Europa stammt?", fragt Antoinette die Gäste der Barnimer Potenziale. "Phönizien war eine Region, zu der auch Syrien gehört." Da bekomme sie - aufgrund der vielen Syrer, die momentan Zuflucht in Europa suchen - richtig Gänsehaut.