Den Namen Barthel's Vinum haben sich Restaurantleiterin Annett Fiedler und ihre drei Mitstreiter nicht zufällig ausgewählt. Karl Barthel war es, der das Haus am 22. April 1906 in Betrieb nahm. Dass die Stadt der gastlichen Einrichtung zu diesem Zeitpunkt noch keine Genehmigung erteilt hatte, störte den Geschäftsmann nicht. Die Droschken, die zwischen Bahnhof und seinem Restaurant unterwegs waren, brachten genügend Gäste. Viele kamen aus Berlin. 1923 allerdings musste Barthel sein Gasthaus aus privaten Gründen aufgeben. Mit Nachfolger Karl Kluth wurde die Gaststätte zum Haus am Stadtsee. Das Geschäft lief anfangs ganz gut. Dann kam die Weltwirtschaftskrise, Karl Kluth wurde gepfändet und vor die Tür gesetzt.
"Julius Wulff, der die Gaststätte in den Jahren 1928 bis 1935 leitete, hat es geschafft, das Haus am Stadtsee zum ersten Haus am Platze zu machen", weiß Annett Fiedler aus alten Unterlagen. Von 1935 bis 1943 führte ein Britzer Bäckermeister das Zepter. In den Jahren 1951 bis 1953 wurde das Haus von der Konsumgenossenschaft bewirtschaftet, danach von der HO. 1970 erfolgte die Übernahme durch die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften. 1975 wurde das Haus am Stadtsee wieder Gaststätte.
97 Seiten Geschichte hat die 33-jährige Restaurantfachfrau mit einem Diplom als Hotel- und Gaststättenmanagerin in der Tasche schon zusammengetragen. Aus den Aufzeichnungen soll irgendwann ein Büchlein mit der Chronik des Hauses entstehen. Über die Jahre 1943 bis 1948 gibt es keine Unterlagen mehr. Da hofft Annett Fiedler auf ehemalige Mitarbeiter des Hauses oder Gäste, die diese Lücke schließen können. Als eines der ersten Häuser am Platze galt die Gaststätte am Stadtsee auch noch bis zur Wende. Zwischen 1993 und 1997 blieben die Türen geschlossen. Als Ausbildungsbetrieb des Berufsbildungsvereins zog schließlich wieder neues Leben ein.
2009 wurde der normale Restaurantbetrieb eingestellt. Der Pachtvertrag für die städtische Immobilie blieb beim Berufsbildungsverein. Die Fäden für Reservierungen und Veranstaltungen liefen beim Hotel finesse an der Angermünder Straße zusammen. Mit dem neuen Konzept empfahl sich das Haus vorzugsweise für Reisende. Fünf Fachkräfte und fünf Auszubildende der finesse GmbH sorgten im Service- und Küchenbereich für das Wohl der Hausgäste, aber auch um Feiern aller Art.
Annett Fiedler, Robert Selmke, Torsten Meitzner, Heike Schackow und Koch David Gmerek wagen jetzt einen Neuanfang. "Mit dem Wandel zum Restaurant mit Gästehaus habe ich mich drei Jahre beschäftigt. Gemeinsam mit Geschäftsführerin Ines Platz fiel schließlich die Entscheidung, wir packen es an", sagt Annett Fiedler. Mit dem neuen Konzept hat sich auch das Ambiente grundlegend geändert. Der Gastraum mit seinen 38 Plätzen präsentiert sich jetzt komplett neu ausgestattet und in hellen Farben. Im gegenüberliegenden Saal mit bis zu 140 Plätzen findet sich außerhalb von Veranstaltungen ein festlich gedeckter Tisch - als Muster für Familien- oder Betriebsfeiern. Etwas abseits vom normalen Trubel stehen ein sogenannter gelber Salon mit 20 Plätzen und ein blauer Salon mit maximal zehn Plätzen zur Verfügung. Damit stellt sich Barthel's Vinum auf den benachbarten Ruheforst ein.
Küchenchef David Gmerek, der seine dreijährige Ausbildung in Österreich absolvierte und danach zwei Jahre in dem Alpenland gearbeitet hat, setzt vorrangig auf deutsche Küche. Auf seiner Speisekarte finden sich beispielsweise Hugenottentopf, Märkische Eisbeinpfanne, Hüftsteak, aber auch altbekannte Gerichte wie Kalbsragout und Soljanka. Die Zutaten kommen größtenteils aus der Region. Verträge gibt es unter anderem mit der Landfleischerei und dem Gemüsebetrieb Buckow, Globus Naturkost und Uckermarker Eis. Das Ökodorf Brodowin und die Lebensmittelproduzenten des Oderbruchs will sich Annett Fiedler ebenfalls ins Boot holen.
Das Besondere an Barthel's Vinum sind die Weine. Einmal im Monat, beginnend am 23. Oktober, veranstalten die Wirte dazu spezielle Themenabende. Weine, die zu den Tagesgerichten empfohlen werden, gibt es auch zu kaufen. "Mit unserem Sortiment sind wir gut aufgestellt", sagt Annett Fiedler. Davon können sich die Gäste selbst überzeugen.
Offizielle Eröffnung ist am 5. September 18 Uhr.