Es geht um die Menschen, deren Schicksale unmittelbar mit den ausgestellten Rotoren, Motoren, Tanks und unzähligen Kleinteilen verbunden sind. Um die Geschichten hinter den Flugzeugabstürzen über deutschem Boden zu erkunden, wird akribisch recherchiert und der Kontakt zu den Hinterbliebenen der Piloten gesucht.
Die ehrenamtlichen Luftfahrt-archäologen tauchen tief ein in die Geschehnisse und wollen das nun auch Gästen des Hangars in Finowfurt noch besser ermöglichen. Mit einem neuen Anstrich der Halle und einem "zeitgemäßen Ausstellungskonzept", wie Museumschef Birk Polten bei der Eröffnung am Donnerstag hervorhebt. Sobald der Besucher nun in eine der schwarz ummantelten Kabinen tritt, wird ein Fliegerschicksal genauer beleuchtet – und zwar buchstäblich. Mittels Bewegungsmelder geht die Lampe über der Kabine an.

Messerschmitt gegen Mosquito

Im Fall der Messerschmitt B110 G lesen Gäste an einer Schautafel davon, wie das Flugzeug am 1. Februar 1945 in den Luftkampf mit einer englischen Mosquito verwickelt war, und brennend über Werbellin abstürzte. Zwei der drei Crewmitglieder der Maschine wurden auf dem Friedhof in Finow beigesetzt. Die Grabanlage eines weiteren Crew-Mitglieds ist unbekannt. Das Flugzeugwrack wurde nach dem Krieg ausgeschlachtet und verschrottet. Einige Teile sind im Luftfahrtmuseum ausgestellt. Peter Reinhardt, der sich noch als Frischling im Verein bezeichnet, führt am Eröffnungstag durch die Ausstellung, kennt aber fast jedes Stück Metall, beinahe jede Geschichte dazu. Von Zeitzeugen oder vom Kampfmittelräumdienst, nachdem dieser gefährliche Teile in einem Gebiet gesichert hat, erfahren er und die Mitstreiter der Luftfahrtarchäologie, wo noch etwas zu finden ist. Erst im März, so berichtet Reinhardt, war er zusammen mit Christian Wengel in einem Waldstück am Üdersee auf Erkundungstour und konnte neue Puzzleteile einsammeln.
Fliegerschicksale in Finowfurt

Bildergalerie Fliegerschicksale in Finowfurt

Wengel ist seit zehn Jahren Leiter der Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie, der 21 Hobbyhistoriker angehören und die mittlerweile als Verein organisiert ist. Stück für Stück tragen sie die Geschichten zusammen. Längst nicht alle Exponate finden den Weg in die Ausstellung, einige Fundstücke lagern im Depot, das künftig noch abgedichtet wird. Sie könnten die Ausstellung zu einem späteren Zeitpunkt ergänzen.

Lob vom Schorfheider Bürgermeister

Viel Wertschätzung für die akribischen Forscher in Sachen Militärgeschichte gab es am Tag der Ausstellungseröffnung von Schorfheides Bürgermeister Wilhelm Westerkamp. "Ich freue mich, dass im Museum wieder ein Schritt nach vorn gemacht werden konnte", sagte er. Als versierter Modellbauer habe er selbst eine hohe Affinität zu Technik und Geschichte. Westerkamp hob die Bedeutung des Storytelling hervor, was Schicksale verbunden mit der Militärtechnik erst erlebbar mache.
Der neue Anstrich und die noch kommenden Arbeiten im angrenzenden Depot wurden neben viel Eigenleistung auch durch eine Spende der Sparkasse Barnim ermöglicht. Aus dem Topf PS-Lotteriesparen hatte es 6300 Euro gegeben.
Das Luftfahrtmuseum auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes in Finow öffnet täglich von 10 bis 17 Uhr seine Türen für Besucher. Weitere Informationen finden sich unter www.luftfahrtmuseum-finowfurt.de.