"Wir sind voll im Plan", betont Uwe Siegel, Assistent der Geschäftsführung vom europäischen Regionalen Förderverein, gleich zu Beginn des Treffens mit den Partnern aus dem Nachbarland. Mit Smalltalk halten sich die Herren nicht auf. Der stellvertretende Bürgermeister Joseph Szott und der Inspektor für Investitionen und öffentliches Beschaffungswesen Pjotr Radecki sind aus Trzcinsko-Zdrój gekommen, um zu sehen, wie weit der Bau der Gletscherhalle fortgeschritten ist.
Szott zeigt sich glücklich über das, was er sieht. Der Rohbau ist nahezu fertiggestellt, die Besonderheit der geschwungenen Form, mit der sich das Gebäude in die eiszeitlich geprägte Landschaft einfügen soll, ist bereits gut zu erkennen.
"Damit wir unser gemeinsames Ziel erreichen können, ist es wichtig, dass beide Seiten mit ihren Projekten fertig werden", sagt er. Er sei froh, dass ein rechtzeitiger Abschluss des Plans im Rahmen des grenzübergreifenden Geoparks vor Ende der Förderungszeit durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung möglich sei. Auf der polnischen Seite sind die Arbeite bereits nahezu beendet.
In der Kleinstadt, zirka 30 Kilometer hinter der deutschen Grenze, ist eine "Allee der Spaziergänger" entstanden, die eiszeitliche Gesteine zeigt, und ein altes Mühlengebäude wurde saniert, in deren Inneren eine Ausstellung zur Geschichte der Region - ebenfalls im eiszeitlichen Kontext - gezeigt wird. Zudem wurden mehrere hundert Meter der Stadtmauer saniert, um wiederum an deren Struktur die Verarbeitung verschiedener Gesteinsarten im Mittelalter darzustellen.
Inspektor Radecki ist besonders daran interessiert, wie es nach der Fertigstellung des Rohbaus weitergehen wird. Uwe Siegel und Kai Püschel, Vorsitzender des Vereins Geologischer Garten, beantworten alle Fragen geduldig. Nein, es bestehe nicht die Gefahr, dass später Feuchtigkeit in das Gebäude ziehe, denn die verarbeiteten Kalksandsteine, würden diese aufnehmen. Ja, das Dach werde außen aus Metall und innen aus Holz bestehen. Nein, es werde keine Heizung verbaut, da das Gebäude für den Sommerbetrieb ausgelegt sei. Und ja, der Baum- und Strauchbestand vor der Gletscherhalle werde zu gegebener Zeit gestutzt, um dem Besucher einen Blick durch eine Art Vorhang zu ermöglichen.
Bei einem Rundgang durch den Rohbau, erklärt Uwe Siegel die Aufteilung. "Man gelangt durch eine Art Laubengang hinein zur Eingangstür. Die beiden kleineren Räume links und rechts vom Flur werden als Lagerraum und Werkstatt genutzt. Der große Raum, der sich am Ende des Gangs auftut, wird die Ausstellung beherbergen."
Alle sechs bis acht Wochen treffen sich die Verantwortlichen, um sich über die Fortschritte des Bauprojektes und die weitere Vorgehensweise zu verständigen. "Da die Kollegen aus Trzcinsko-Zdrój der "Lead-Partner' des Projektes sind - das heißt, sie haben den größeren Anteil daran - ist es uns wichtig, sie auf dem Laufenden zu halten", sagt Uwe Siegel. "Ende August wollen wir Dach und Fenster fertigstellen. Beides soll in Blau gehalten sein, um an einen Gletscher zu erinnern."
"Damit es dann ohne Verzögerung weitergehen kann, läuft momentan schon die Ausschreibung für die Ausstellung" erzählt er weiter. Viele Vorgaben seien den Bewerbern dabei nicht gemacht worden. Das bereits vorhandene Material der alten Ausstellung solle lediglich gesichtet werden, um zu entscheiden, was sich künftig noch brauchen ließe.
Insgesamt soll sie Interessierten aber die Eiszeit in der Region nahebringen."Bisher gibt es acht Bewerber. Wir als Managementfirma werden gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern die zwei oder drei besten Entwürfe auswählen, die dann hier noch einmal vor Ort präsentiert werden können." Kai Püschel ist wichtig, dass die Ausstellung selbsterklärend ist. "Es wird keinen Museumsordner geben, der ständig vor Ort ist." Die Gletscherhalle werde nur am Vormittag von einem Mitglied des Vereins geöffnet und somit Besuchern zugänglich gemacht.
Mitte Oktober soll die fertige Ausstellung, die in den wesentlichen Punkten zweisprachig gestaltet sein wird, übergeben werden. Neben der Schau sollen in der Werkstatt der Gletscherhalle auch Steine bearbeitet werden können. Das Angebot richtet sich besonders auch an Schulklassen.
"Nachdem unser alter Ausstellungsraum einfach zu klein geworden ist, hoffen wir, dass wir mit dem Bau neue Anreize schaffen, um Menschen nach Stolzenhagen zu locken", wünscht sich Uwe Siegel und spricht damit allen Beteiligten aus der Seele. Nur so hätten sich die 200 000 Euro Investition auch gelohnt.