Die Geschäftsidee war bereits in Toronto entstanden, wo der Niederländer Bas van Berkel und der Kanadier Ryan Little ihr erstes gemeinsames Unternehmen gegründet hatten. "Dort lernten wir auch die Technologie kennen, wie aus alten und neuen Kunststoffen synthetisches Wachs hergestellt werden kann", erklärt van Berkel. Weil derartige Produkte vor allem in Europa gefragt sind, entschieden sich die beiden, ihre neue gemeinsame Firma in Deutschland anzusiedeln. Bei der Suche nach einem geeigneten Standort kam ihnen die Zukunftsagentur Brandenburg zugute. Bei einer Rundfahrt wurden sie auf die leerstehende Halle an der Walzwerkstraße 22 aufmerksam. Im September 2011 hoben sie dort die Parmenion MFG aus der Taufe. Der Firmenname übrigens erinnert an einen der bedeutendsten Feldherren Alexander des Großen.
Rund 900 000 Euro haben Bas van Berkel und Ryan Little bisher in ihr gemeinsames Unternehmen investiert und damit auch vier Mitarbeiter in Lohn und Brot gebracht. Für den Betriebsstandort in der Barnimer Kreisstadt sprachen nicht nur die guten Produktionsbedingungen, sondern auch die gute Infrastruktur. Den Anschluss an Autobahn, Schiene und Wasserstraße kann das Unternehmen gut gebrauchen.
"Synthetisches Wachs wird nicht nur für die Kerzenproduktion, sondern in vielen Industriezweigen gebraucht - für Autowachs, Farben, Asphalt und Laminat beispielsweise. Rund 3,5 Millionen Tonnen Wachs werden weltweit jährlich verarbeitet", erklärt Ryan Little. Zum Herstellungsprozess des begehrten Grundstoffes selbst will der 31-Jährige keine Angaben machen. "Das ist eine ganz neue Technologie", bitten er um Verständnis.
Wachse sind ganz bestimmte Stoffe, die heute durch ihre mechanisch-physikalischen Eigenschaften definiert werden. Ihre chemische Zusammensetzung und Herkunft hingegen sind sehr unterschiedlich. Besonderer Vorteil bei Parmenion sind die niedrigen Investitionskosten. Zahlreiche Kunden, darunter in Großbritannien, haben ihr Interesse an einer festen Geschäftsverbindung bereits signalisiert. Zurzeit sind sie noch dabei, die Qualität des synthetischen Wachses aus Eberswalde zu prüfen. Fällt das Ergebnis zufriedenstellend aus, und davon sind Little und van Berkel überzeugt, steht dem tatsächlichen Produktionsanlauf in der rund 8000 Quadratmeter großen Halle nichts mehr im Wege. Dann wollen die beiden Geschäftsführer auch weitere Mitarbeiter einstellen, dies mit der Option, dass Eberswalde wieder eine Chemische Fabrik erhält. Die Unterstützung aus dem Rathaus ist ihnen gewiss. "Ich bin froh, so junge und dynamische Unternehmer am Standort Eberswalde begrüßen zu können und bin auf die Entwicklung der Firma gespannt", hatte der Bürgermeister bei einem Betriebsbesuch gesagt.
Noch aber ist die Testphase nicht abgeschlossen und damit auch für den promovierten Chemiker Michael Erberich aus Aachen, der nach seinem Studium direkt nach Eberswalde kam, eine echte Herausforderung.