In der Schule würde der Lehrer vermutlich sagen: "Barnim, Sechs, setzen!" Das Abschneiden des Landkreises beim Lernatlas 2011 kommt einem "Ungenügend" gleich. Der Barnim belegt im bundesweiten Vergleich den letzten Platz. Dezernent Jörg Mocek warnt trotzdem vor voreiligen Schlüssen.
Das Ergebnis ist wenig schmeichelhaft. In der Kategorie "Kreise im ländlichen Umland" kommt der Barnim - bei 81 "Teilnehmern" - auf Rang 81. Er ist also das Schlusslicht. Nicht nur im Land Brandenburg, sondern bundesweit. Besonders schlecht schneidet der Barnim in der Disziplin "Soziales Lernen" ab.
Der Lernatlas 2011, Ende vorigen Jahres von der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht, widmet sich erstmals dem Thema "Lebenslanges Lernen". Denn: "Lernen ist mehr als nur Schule", heißt es in der Studie. Die Betrachtung geht deshalb über die rein schulische Bildung hinaus und erfasst sämtliche Lebensphasen, Lernformen und Lernorte. Und zwar für alle Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland.
Für den groß angelegten Test haben die Autoren 38 regionale Kennzahlen, die als besonders aussagekräftig für die Lernbedingungen vor Ort gelten, in vier sogenannten Dimensionen erhoben und zusammengesetzt. Bewertet wurden: schulisches Lernen, berufliches Lernen, soziales und persönliches Lernen.
Im Fach "Schulisches Lernen" kann der Barnim das Klassenziel noch erreichen. Dort landet er bei 81 Vergleichs-Landkreisen auf dem 75. Platz. Vor allem im Bereich der Hochschulbildung punktet der Barnim. Das Angebot an Studienplätzen in der Region beschert ihm in dieser Disziplin - dank der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNE) - den 26. Rang und eine Bewertung über dem Durchschnitt. Das Abschneiden bei der Allgemeinen Schulbildung macht dieses positive Ergebnis allerdings zum Teil wieder zunichte. Minuspunkte handelt sich der Barnim bei der Lesekompetenz ein. Ebenso bei der Zahl der Sitzenbleiber und der Schulabgänger ohne Abschluss. Bei der mathematischen Kompetenz können die Barnimer hingegen mithalten.
Ähnlich differenziert sieht es beim "Beruflichen Lernen" (Position 80) aus. Licht (z. B. hohe Quote bei der Teilnahme an beruflicher Weiterbildung) und Schatten (z. B. relativ hoher Anteil von jungen Menschen ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz) liegen auch dort eng beieinander. In puncto berufliche Ausbildung und Fortbildung gelingt es dem Barnim sogar, zweimal unter den Top Ten zu landen.
Daran ist im Fach "Soziales Lernen" überhaupt nicht zu denken. Dort hält sich der Landkreis fast durchweg im hinteren Drittel auf. Laut Statistik lässt das soziale Engagement der Barnimer (Platz 81) mehr als zu wünschen übrig. Vor allem in den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit sowie Seniorenarbeit, so das erschreckende Ergebnis. Etwas Boden gutmachen kann der Barnim beim "Persönlichen Lernen" (Rang 73). Vor allem dank einer relativ hohen Anzahl von Theater- und Konzertbesuchern in der Region und dank einer recht ausgeprägten Leseneigung. Unterm Strich reicht es allerdings nur für den letzten Platz.
Muss der Barnim nachsitzen? Nicht unbedingt. Die Autoren der Studie sagen selbst, dass der Lernatlas "kein Steuerungsinstrument für Bildungplanung und -management" ist. Viele Kennzahlen beziehen sich auf Aspekte, die außerhalb des Entscheidungsbereiches kommunal verantwortlicher Akteure liegen. Etwa die Verfügbarkeit von DSL oder die Bereitschaft der Bürger zur Knochenmarkspende.
Und auch Kreisbildungsdezernent Jörg Mocek rät zunächst zu einer gründlichen Analyse. Denn es ginge eben nicht nur um das Schulsystem im engeren Sinne. Schwächen offenbare der Kreis beim "Sozialen Lernen". Für Veränderungen dort zu sorgen, haben Politik und Verwaltung nur bedingt in der Hand. Der Bildungsausschuss des Kreistages will sich demnächst detailliert mit dem Lernatlas befassen.