"Vor zehn Jahren waren wir noch froh, wenn uns jemand unser Holz abgenommen hat. Heute hat sich das komplett gedreht", sagt Jan Engel, Pressesprecher im Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde und Kenner der Situation im Barnim. Er weiß: Vor Ort wird es knapp mit dem nachwachsenden Rohstoff. "Wir sind an der Schmerzgrenze angekommen." Die Nachfrage nach Brennholz sei extrem gestiegen. "Wegen der stark gestiegenen Preise für Öl und Gas haben viele Eigenheimbesitzer sich einen Kamin einbauen lassen", weiß Jan Engel. Auch die kleinen Beistell-öfen seien stark verbreitet. "Vor allem in den ländlichen Regionen ist Holz als Brennstoff immer gefragter."
Und noch andere wollen dem Wald ans Holz. Die Möbelindustrie hat großen Bedarf, Parkettböden sind schon länger wieder in Mode. Und dazu kommen neuerdings Holzpellets-Heizanlagen und Holzkraftwerke. Dabei ist der Barnim eigentlich eine waldreiche Gegend. Der Grund für die Misere sei eine Frage der Organisation, weiß Jan Engel. "In Brandenburg sind 60 Prozent, im Barnim immerhin 45 Prozent des Waldes in privater Hand. Viele private Waldbesitzer haben nur zwei bis drei Hektar. Die machen nur für sich selber Brennholz. Und andere haben einfach kein Interesse daran, das zu bewirtschaften, zum Beispiel, weil sie schon älter sind oder gar nicht vor Ort wohnen."
Dazu kommt, dass viele Förstereien personell nicht besonders gut besetzt seien. "Und der Holzverkauf mache viel Arbeit. Man muss die Leute einweisen, belehren und kontrollieren", schildert er das Procedere. "Das nimmt viel Zeit in Anspruch, die wir meist nicht haben. Da verkaufen wir lieber an Großabnehmer."
Klaus Meier-Giesecke ist Chef der Försterei Lanke, die zu den Berliner Forsten gehört. Er kann derzeit schon kein Brennholz mehr abgeben. "Die Leute kommen in Scharen und wollen vor allem Laubholz haben, weil das zum Verbrennen besser geeignet ist. Aber bei mir ist jetzt schon alles verkauft. Ich musste viele wieder nach Hause schicken", sagt er.
Jan Engel ist überzeugt, dass sich die Einstellung der Menschen zum Holz ändern muss. "Die sogenannte energetische Nutzung des Holzes als Brennmaterial, also schlagen und gleich verbrennen, ist eigentlich uneffektiv." Im Sinne der Nachhaltigkeit sei eine stoffliche Verwertung des Rohstoffes zunächst in der Möbelindustrie, beim Parkettbau oder ähnlichem sinnvoller. Das Ganze werde sich wie bei allen Produkten auch über den Preis regeln, ist Jan Engel überzeugt. In der Lanker Försterei kostet ein Raummeter Laubholz 15 Euro, wenn man es sich selbst aus dem Wald holt. Für bereits fertige Vier-Meter-Stücke müssen die Verbraucher 35 Euro bezahlen. Damit sind die Preise schon stark gestiegen. Und sie werden weiter steigen, ist Jan Engel überzeugt.