"Wir haben die Not erkannt und spontan gehandelt", sagt Tino Kotte, der das Büro des Kirchenkreises in Eberswalde leitet. Im ersten Obergeschoss des Hauses 3 auf dem Hinterhof an der Eisenbahnstraße 84 gibt es jetzt einen Raum, in dem sich Asylbewerber Anziehsachen aussuchen können. "25 freiwillige Helfer haben in atemberaubendem Tempo Tische aufgestellt und Kleiderspenden sortiert", berichtet Tino Kotte voller Dankbarkeit. Es könne nicht hingenommen werden, dass Flüchtlinge in Sandalen und kurzen Hosen herumlaufen müssten, weil sie ohne größeres Gepäck in Eberswalde eingetroffen seien.
Zu den Freiwilligen, die Zeit und Arbeit in den Aufbau der Kleiderkammer gesteckt haben, gehört Vivian Welzel, die aus Berlin stammt und an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Landschaftsnutzung und Naturschutz studiert. "Es geht nicht an, dass die Asylbewerber von der Zivilgesellschaft im Stich gelassen werden. Die hauptamtlichen Betreuer wären ohne uns Ehrenamtler hoffnungslos überfordert", betont sie. Das sieht Nora Schönherr aus Eberswalde genauso, die Mitte Oktober ein Orientierungsstudium an der Technischen Universität beginnt. "Wären wir in einer ähnlich dramatischen Lage wie die Flüchtlinge, hätten wir auch jede Hilfe bitter nötig", findet sie.
Derweil hat Gekdar Mouhammed endlich einen Pullover in seiner Größe gefunden. Als der Syrer seine 15 Tage dauernde Odyssee antrat, hatte er in der vom Krieg zerstörten Heimat bei 30 bis 35 Grad geschwitzt. "Jetzt bin ich seit 27 Tagen in Deutschland und friere", erzählt er, will aber nicht falsch verstanden werden. "Vor allem bin ich glücklich, glücklich und glücklich, mit dem Leben davongekommen und so herzlich empfangen worden zu sein", sagt Gekdar Mouhammed.
Für ihn übersetzt Mourad Mustafa ins Deutsche. Der Iraker ist als Sozialbegleiter bei der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal angestellt und arbeitet in der Notunterkunft an der Eisenbahnstraße 100, in der aktuell etwas mehr als 100 Asylbewerber betreut werden. "Derzeit kümmern wir uns vor allem um allein reisende junge Männer", berichtet der Sozialbegleiter.
Folglich würden für die Kleiderkammer zielgerichtet Anziehsachen gesucht, die zierlichen Männern passen, sagt Tino Kotte vom Büro des Kirchenkreises. Insbesondere gehe es um lange Hosen und Unterhosen, Schlafanzüge, Westen, Strickjacken, Socken, Handschuhe und Schals, aber auch um Rucksäcke, Taschen und verschließbare Beutel.
Wer helfen wolle, könne seine Spenden direkt in der Kleiderkammer abgeben oder in den grünen Container legen, der auf dem Hinterhof aufgestellt wurde, fügt der Büroleiter hinzu. Der Kirchenkreis betreibe auch die Kleiderkammer im Haus 5 an der Eisenbahnstraße 84 weiter, die für alle anderen bedürftigen Eberswalder gedacht sei, sagt Tino Kotte. Die Spenden würden gerecht aufgeteilt.
Tel. 0163 0813296