Am Donnerstag ist die gebürtige Serwesterin, die seit einigen Jahren der Arbeit wegen in Berlin wohnt, gemeinsam mit ihrem Mann in ihrem Heimatdorf aber auch wieder gebaut hat, mit den Eberswalder Enkeln Nico (6) und Emil (8) da. "Wir haben drei Wochen Urlaub und nutzen die Gelegenheit hier, mit ihnen zusammen zu sein." Eine doppelt gute Gelegenheit für das Oma-Enkel-Trio – erwartet doch der Zoo gerade an diesem Tag den 100.000sten Gast für dieses Jahr. Nicht nur Zoodirektor Bernd Hensch, sondern auch Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) begrüßen die Jubiläumsbesucher. Der Rathauschef übergibt Doris Hartmann einen Blumenstrauß.
Warum ihm daran gelegen ist, persönlich zu gratulieren? "Weil das ein deutliches Signal dafür ist, wie wichtig unser Zoo ist", antwortet Boginski. "Und ein Zeichen für alle: Kommt her, es lohnt sich wieder." Schon 100.000 Gäste, "trotz der Pandemie", das sei eine bemerkenswerte Zahl.
In anderen Jahren werde die Besuchermarke meist etwa drei Wochen früher erreicht, sagt Zoochef Hensch. "Wir haben aber fast wieder aufgeholt." Durch die fünfwöchige Corona-Schließzeit, die auch die sonst so besucherreichen Ostertage einschloss, hätten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rund 30.000 Besucher gefehlt. "10.000 haben wir wieder aufgeholt, mit 20.000 hängen wir noch hinterher", so Hensch. "Das ist aber eine Sache, die noch zu schaffen ist. Bei den Einnahmen haben wir nur noch 100.000 Euro Diskrepanz zum Vorjahr.

Viele Zoo-Besucher aus Berlin

Optimistisch stimmen ihn dabei mehrere Faktoren – die kontinuierlich höheren Eintrittszahlen seit den Lockerungen im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten, die Rückkehr der polnischen Besucher seit der Grenzöffnung vor anderthalb Wochen sowie der Eindruck, dass derzeit viele Berliner Gäste erstmalig den Weg in den Eberswalder Zoo finden. "Es waren jetzt an jedem Tag rund 20 Prozent Besucher mehr da als normalerweise an vergleichbaren Tagen in den Jahren zuvor", sagt Hensch. "Der absolute Hammertag war der Pfingstmontag, an dem mehr als 4000 Tickets verkauft wurden und mit den Jahreskarten-Inhabern fast 5000 Leute da waren."
Gleich am ersten Tag, nachdem die Grenze zu Polen wieder öffnete, sei etwa jeder dritte Besucher aus dem Nachbarland angereist. Jährlich zähle der Zoo 50.000 polnische Gäste. Die Eberswalder Einrichtung könnte zudem von den Einschränkungen in Zoo und Tierpark der Hauptstadt profitieren, und das, hofft Hensch, womöglich sogar langfristig. Die Mitarbeiterinnen an den Kassen berichteten von zahlreichen neuen Gästen aus Berlin. Sie wichen auf die Waldstadt aus, weil Tickets für die Berliner Einrichtungen derzeit nur online erhältlich und zeitlich begrenzt sind.

Öffnung der Tierhäuser

Im Eberswalder Zoo ist, abgesehen von der Mindestabstandsregelung, dagegen beinahe wieder Normalität eingekehrt. Seit zwei Wochen sind selbst die Tierhäuser wieder geöffnet. Und seit Anfang Juni arbeite das Team nicht mehr streng getrennt in zwei Schichten. "Das ließ sich nicht mehr durchhalten. Wir nehmen das Thema Corona aber nach wie vor ernst", versichert Zoochef Hensch.
Doris Hartmann hält dem Zoo ohnehin unter allen Umständen die Treue. Zumal sie als Jubiläumsgast nun eine Jahreskarte bekommen hat. "Die reiche ich gern an die Kinder weiter", sagt sie. Auch die Enkelsöhne werden demzufolge weiter regelmäßig zu Gast im Zoo sein. Sein Lieblingstier? "Dieses kleine Äffchen mit den weißen Dingern an den Ohren", sagt der sechsjährige Nico. Weißbüscheläffchen also – "wir haben hier eine freilebende Gruppe", sagt Bernd Hensch.