Die Bildungseinrichtung Buckow hat unlängst bekannt gegeben, dass sie in dem Lichterfelder Ortsteil Flüchtlinge aufnehmen will. Eine Aussicht, die Befürchtungen unter den 80 Besuchern der Einwohnerversammlung weckt. Sie sind am Dienstag in die Mehrzweckhalle auf dem Buckower Gelände gekommen, auf dem früher Jugendliche außerbetrieblich auf einen Beruf vorbereitet wurden.
Seit August 2014 widmet sich die Bildungseinrichtung - über die Tochtergesellschaft Kinder-, Jugend- und Seniorenhilfe in Buckow - auch der Unterbringung von Flüchtlingen. Ein Schritt, mit dem der Verein auf den demografischen Wandel reagiert: "Außerbetriebliche Berufsausbildung ist nicht mehr in dem großen Ausmaß wie zum Beispiel in den 90er-Jahren erforderlich", erklärt Geschäftsführerin Annette Ruhtz eingangs der Versammlung.
30 Flüchtlinge beherbergt die Bildungseinrichtung bisher in Eberswalde: sowohl im Brandenburgischen Viertel als auch in der Bergerstraße. Die Schutzsuchenden, die nach Buckow kommen, waren ursprünglich ebenfalls für die Bergerstraße vorgesehen. Nun das Umdenken: "Wir haben uns doch entschieden, die infrastrukturellen Möglichkeiten, die Buckow bietet, den Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen", sagt Annette Ruhtz.
Am Standort Bergerstraße, wo sowohl Auszubildende des nahegelegenen Oberstufenzentrums als auch Flüchtlinge in Einzelwohnungen untergebracht sind, bleibe alles, wie es ist. "Der Gemischtwarenladen funktioniert gut", kommentiert die Leiterin das Modell. Den Auszubildenden wiederum bleibt so ein Umzug nach Buckow erspart.
Dort ziehen nun ab 1. August nach und nach 40 Flüchtlinge in ein ehemaliges Lehrlingswohnheim. Das sogenannte Haus 6 bietet Gemeinschaftsräume und 17 Quadratmeter große Wohnräume, in denen jeweils zwei Bewohner untergebracht werden. Ein freier Platz hinter dem Haus soll laut Michael Thölke, der beim Buckower Träger für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig ist, in einen Garten umgewandelt werden.
"Die Bewohner waren schon in der Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt und in Übergangseinrichtungen in Bernau", erklärt der pädagogische Leiter. "Sie haben sich also bereits akklimatisiert." Voraussetzung dafür, dass das Konzept der Kinder-, Jugend- und Seniorenhilfe in Buckow auch greift: Spracherwerb und berufliche Integration sollen laut Thölke "im gemeinsamen Tätigsein" umgesetzt werden.
Bereits am Freitag hatte der Träger die unmittelbaren Anwohner zu einer ersten Beratung gebeten. 30 Buckower waren gekommen und brachten die gleichen Sorgen zur Sprache, die auch am Dienstag anklangen: Die ärztliche Versorgung, die Verkehrsanbindung, die Kapazitäten der Grundschule - all das sei jetzt schon problematisch.
Hinzu kommen Bedenken, dass die Kriminalität durch die Flüchtlinge steigen könnte. Dem tritt Torsten Kuhlig, Leiter des Eberswalder Polizeireviers, am Dienstag entgegen. Egal, wo Schutzsuchende im Barnim seit 2013 aufgenommen worden seien: "Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen ist dort nicht gestiegen."
Doch: "Warum müssen gerade in Buckow so viele Flüchtlinge wohnen?", fragt der stellvertretende Ortsvorsteher von Lichterfelde, Enrico Masuhr. "40 Flüchtlinge an diesem Standort sind eine Herausforderung", gibt der Schorfheider Bürgermeister Uwe Schoknecht zu. Jedoch kämen sie nicht auf einmal. "Wir schauen Stück für Stück, wie wir die Situation gemeistert bekommen", kündigt er an.
Kurz vor der Eröffnung will sich das Team vor Ort noch einmal vorstellen. Bis Anfang September soll ein Hoffest folgen und Ende September eine Auswertung mit den Anwohnern.