Vor einem Jahr ist der TU-Student nach Eberswalde gezogen. Weil er Freunde hat, die in der Waldstadt studieren und weil er in der Region mal mit einer eigenen Brauerei sesshaft werden möchte. Noch entstehen seine Kreationen aus Hopfen, Wasser, Malz und Gerste im Brandenburgischen Viertel. In den Räumen des Hebewerk-Vereins, in der Havellandstraße 15, hat er sich eingerichtet. In einer Duschzelle steht ein großer Topf. Mehrere Fässer und zwei Kühlschränke sind in dem gefliesten Raum zu sehen, der vorher ein Badezimmer gewesen sein muss.
Spätestens am 15.Juli wird dort wieder gebraut. Zum ersten Mal will Lukas Baltzer dann einen Brauworkshop anbieten. Schon jetzt schickt er voraus, dass es nicht der letzte sein wird. Denn die Premiere ist bereits ausgebucht. Acht Personen haben sich angemeldet. Mehr geht nicht. Die Lehrstunde findet auf Spendenbasis statt. Am Ende darf jeder Teilnehmer einen Kasten des Selbstgebrauten mit nach Hause nehmen. Allerdings erst nach vier Wochen. Bis zur Vollendung werden sie ihr Bier an einem Tag nicht bringen. Die übrigen Arbeiten übernimmt der gelernte Brauerei- und Getränketechniker.
"Was sich die Menschen unter Bier vorstellen ist echt krass. Sie wissen gar nicht welcher Prozess dahintersteckt", sagt er. Bis das Gesöff verzehrt werden kann, muss eine Probe vom Lebensmittellabor getestet werden. Dort wird auch der Alkoholgehalt ermittelt. 6,5Prozent hat sein IPA. Alkoholfreies Bier hat Baltzer auch schon gebraut. Doch sei Alkohol eben auch ein Geschmacksfaktor.
Die Diskussion um den neuen märkischen Bierbotschafter Axel Schulz ist am Wahl-Eberswalder vorbeigegangen. Der Ex-Profiboxer hatte gescherzt, dass Biertrinken sein Hobby sei und war deshalb kritisiert worden, Alkoholkonsum zu verharmlosen.
Lukas Baltzer kennt Axel Schulz nicht. Dass dieser für Brandenburger Brauereien wirbt, aber dürfte ihm schmecken. Er freut sich über ein wachsendes Bewusstsein der Konsumenten für regional hergestellte Sorten, auch wenn diese etwas teurer sind als die millionenfach verkauften Standardbiere. "Besser in jedem Ort eine kleine Brauerei", sagt Baltzer. Ein Feierabendbier trinke er schon ganz gern, aber nicht täglich. Sein Lieblingsbier sei das Freibier.