Es sind offenbar die kleinen Dinge, die alltäglichen Ärgernisse, weshalb z. B. die Ziethener die Entwicklung des Weltnaturerbes noch immer mit Unverständnis, Argwohn und Skepsis verfolgen. Die Themen sind bekannt: Verbot, die Kernzone zu betreten; die Frage privaten Waldbesitzes; das Recht oder Nicht-Recht der Jagd; die Möglichkeiten der Seen-Nutzung.
Dieter Seegers-Krückeberg ist Kaufmann und Landwirt. Er hat Flächen, die sich nahe dem Grumsin befinden und auf denen er Gerste anbaut. Früher, so erzählt er, hatte er in der Kernzone auch ein Stück Wald. "Nach vier Jahren sind wir endlich rausgekommen", erinnert sich Seegers-Krückeberg. Er konnte den Waldbesitz gegen Ackerland tauschen. Dies sei aber nicht allen gelungen, weiß er.
Eigentlich müsste die Biosphäre bzw. deren Förderverein, der Verein Kulturlandschaft Uckermark (KLU), den Eigentümern für die Nutzungsbeschränkungen eine Entschädigung zahlen. Diese Entschädigung soll die Vermögensnachteile "angemessen ausgleichen". Davon könne im Grumsin kaum die Rede sein. Weder in puncto Holznutzung noch in Sachen Jagd. "Der Vorstand geht in der Kernzone fröhlich zu Jagd", kritisiert Seegers-Krückeberg. Und eine sogenannte Angliederungsgenossenschaft, die Vorschrift sei, komme nicht zustande.
Vor allem aber moniert der Anrainer die Informationspolitik. "Das ist kein vernünftiger Umgang." Für Verwirrung und Unmut sorge beispielsweise die Frage um einen etwaigen Verkauf des Schwarzen Sees, der ein beliebtes Angelgewässer sei. Ferner kursiere ein neues Wegekonzept im Dorf. "Ein Konzept, das nicht im Verfahren war", so Seegers-Krückeberg. Er hat sich deshalb schriftlich an den Chef der Biosphäre gewandt und um Aufklärung gebeten.
Wie Leiter Hartmut Kretschmer auf Anfrage der MOZ erklärt, gebe es "kein neues Wegekonzept". Auch bestehe keine Pflicht, die Anrainer, wie etwa Landwirte am Verfahren zu beteiligen. Gleichwohl, so Kretschmer, sei eine Einbeziehung sinnvoll. Deshalb habe er die Pläne auch den betroffenen Kommunen und an landwirtschaftliche Nutzer weitergeleitet.
Die Nöte und Schwierigkeiten bei den Themen Jagd und Schwarzer See seien schon durch Bürgermeister Michael Dupont an ihn herangetragen worden. "Die Sorgen zum Schwarzen See sind aber absolut unbegründet", versichert Kretschmer. Der See liege nicht im Kerngebiet. Und er gehöre auch nicht zu jenen 65 Seen, die das Land Brandenburg für 3,7 Millionen Euro vom Bund gekauft hat. Die Nutzung als Angelgewässer sei weiter uneingeschränkt möglich. In puncto Jagd sei ganz klar der Kulturlandschaftsverein KLU zuständig. "Er ist verpflichtet, sich zu arrangieren." Ein entsprechender Hinweis sei an die Verantwortlichen gegangen.
Bedarf und Möglichkeiten des Nachsteuerns sieht der Reservatschef für die Routen der geführten Wanderungen. Die Tour, die bislang ab Mühle Ziethen angeboten wurde, machte um das Welterbe gewissermaßen einen Bogen, was für Enttäuschung bei den Teilnehmern sorgte. "Das werden wir im kommenden Jahr noch mal ändern", stellt Kretschmer in Aussicht.
Der Vorsitzende des KLU war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Zur Verbesserung der Kommunikation hatte die Hochschule HNEE im Frühjahr extra ein Internetportal eingerichtet. Die Analyse läuft.