Seit Mitte November, als erstmals die Zukunftswerkstatt tagte, haben sich verschiedene Fragen aufgetan, die in weiteren Zusammenkünften erörtert werden sollen. Denn "Eberswalde 2030" soll Potenziale ergründen, Chancen auftun und Herausforderungen an die Stadtväter und alle Akteure aus Wirtschaft oder Hochschulwesen sowie Mittelstand formulieren.
Peter Mauel, der dem Unternehmerverband Barnim vorsteht, war von Anfang an dabei. Den Auftakt fand er vielversprechend. "Es wurden realistische Szenarien dargestellt und erörtert. Die Bedeutung der regionalen Wirtschaft spielte eine erhebliche Rolle." Den Politikern liegen Strategien am Herzen, die sie mit ihren eigenen Ideen verbinden können.
So sieht Axel Vogel, bündnisgrünes Landtagsmitglied aus der Region, den Umweltgedanken vordergründig als wichtig an. Das Thema Nachhaltigkeit sollte nicht nur den Charakter der Hochschule im Ort prägen, sondern auch eine Lebensweise, die sich über Generationen tragen lässt. Arbeitsplätze für junge Leute zu schaffen und sie so an ihre Heimatstadt zu binden, das ist dem linken Landtagsabgeordneten Michael Luthardt wichtig.
Bürgermeister Friedhelm Boginski will sich nicht auf Lorbeeren ausruhen. Auch wenn ein Blick auf 20 Jahre erfolgreiche Stadtsanierung aus seiner Sicht einmal lohnt. Was dennoch alles noch ansteht, weiß er genau. So steht das Schaffen ausreichender Arbeitsplatz- und Bildungsangebote Eberswalde gut zu Gesicht. "Die in den nächsten Jahren anstehende altersbedingte Neubesetzung eines großen Anteils der bestehenden Arbeitsplätze in Eberswalde ist eine zentrale Herausforderung für die Wirtschaft und die Stadt", sagt er. Junge Menschen hier zu halten oder sie nach Abschluss ihrer Ausbildung zurückzuholen, darauf setzen auch viele Unternehmen.
So machen große Vermieter wie die Chorona Immobilien GmbH, einen neuen Trend aus. In Eberswalde leben nicht nur viele Alte und Familien. Es zieht zunehmend auch kreatives Potenzial an. Denn viele haben erkannt, dass Berlin vor der Tür ein großer Vorteil ist, aber eben nicht alles.
Der Ausbau und eine stabile Verkehrsanbindung Richtung Hauptstadt spielen daher in den Überlegungen "Eberswalde 2030" eine entscheidende Rolle. Dabei müsse viel mehr Augenmerk auf die Pfunde gelegt werden, mit denen die Waldstadt wuchern kann. Die grüne Umgebung, die gute innerstädtische Infrastruktur mit umweltfreundlichen Bussen, herausragende Schulen und Kindereinrichtungen sowie Arbeitsplätze sowohl in der Industrie als auch im Hochschulwesen müssten noch viel stärker als bisher in den Fokus rücken, hieß es zunächst. So soll in einem der nächsten Treffen vor allem der Idee des nachhaltigen Eberswaldes als Alleinstellungsmerkmal mehr Augenmerk gewidmet werden. Mit der Hochschule sei auch das wissenschaftliche Begleiten von Projekten gut gegeben.
Günstige Gewerbeflächen anzubieten und damit Mittelständler anzulocken, müsse stärker als bisher geschehen. Studenten mit Arbeit in Eberswalde zu versorgen und so ihr Potenzial zu binden, hat laut einem ersten Positionspapier Vorrang.
2013 soll die Zukunftswerkstatt mit einem erweiterten Kreis an Interessierten und Fachleuten fortgesetzt werden. Die Null-Emmissions-Strategie des Landkreises Barnim zum Beispiel sei wegweisend für die Stadt. Dies lasse sich noch viel mehr vermarkten als bisher geschehen, betont zum Beispiel Axel Vogel.
Dass Schulen oftmals einen schlechten Ruf hätten, sei zu untersuchen. Auch die Hochschule will sich laut Hochschul-Präsident Professor Wilhelm-Günther Varsson mit drei entscheidenden Säulen für die Zukunft der Kreisstadt näher befassen: Business, Bildung, Berlin.