"Get born" - geboren werden. Mit diesem eigenen Titel eröffnete die Gruppe FatHat traditionell und energiegeladen den nunmehr 20. Friedrichswalder Motorradgottesdienst bei durchwachsenem und empfindlich kühlem Maiwetter. Eigens aus diesem Anlass gab es sogar Warnwesten mit dem Aufdruck des Jahrestages, die sich gut verkauften. Der eine oder andere angekündigte Regenschauer blieb Gott sei Dank aus und so konnten die erschienenen Motorrad-Enthusiasten auch im Freien Erfahrungen austauschen, ohne nass zu werden.
So wie Pfarrer Ulf Haberkorn, der die Gemeinde Schorfheide betreut und ebenfalls gern auf seiner Yamaha unterwegs ist. Oder Wolfgang Wassberg aus Eberswalde, der seit beinahe 20 Jahren an dem Friedrichswalder Gottesdienst teilnimmt. Er fährt eine Honda Shadow. Aber auch Einheimische wie Charlotte Bieligk, hatten ihre Freude an dem bunten Treiben rund um die Kirche.
Die Maschinen der Teilnehmer parkten in einer Art Schaumeile beinahe bis zu den Ortsausgängen in beiden Richtungen der Landstraße. Selbstverständlich mit Gottes Segen und mit dem der Polizei, die die Veranstaltung absicherte und selbst mit zahlreichen Motorrädern zugegen war.
"Muttertag bleibt Motorradtag", sagte Pfarrer Ralf Schwieger zu Beginn des Gottesdienstes. "Herr, lass uns auf dem Motorrad alt werden", bat er und wob einen milden Seitenhieb auf die allenthalben scheinbar immer mehr werdenden "Ruhesucher und Blümchenpflücker" in seine Predigt ein. "Noch blitzt der Chrom in der Sonne und noch riecht es nach Benzin", stellte er mit Genugtuung fest.
Anhand einer kleinen Geschichte über Nikolai Bersarin, den ersten russischen Berliner Stadtkommandanten nach Kriegsende, der als leidenschaftlicher Motorradfahrer galt, beschrieb Schwieger das Gemüt der meisten Biker. Bersarin widmete sich mit Herz und Hand dem Wiederaufbau Berlins. Als sei es eine Stadt in seinem eigenen Land, berichteten Zeitzeugen. Auf Bildern sieht man ihn zumeist fröhlich, und er fuhr eben auch gern Motorrad. "Einer von uns", sagte Pfarrer Schwieger bestimmt. Und das freundliche Grüßen der Biker untereinander, sei eine wohltuende Konstante, stellte er zufrieden fest.
Die anschließende Fürbitte widmete sich dem Schutz der Motorradfahrer im Allgemeinen und bat um rücksichtsvollen Umgang miteinander. Danach wurde das Vatersunser gebetet und mit einer Schweigeminute der verunfallten Biker-Freunde des vergangenen Jahres gedacht. "Mit jedem Toten stirbt ein Teil unserer Gemeinschaft", erklärte Ralf Schwieger.
Er warb für Begegnungen in Liebe, Toleranz und Freiheit. Vor diesem Hintergrund eröffnete er den Segen mit dem Wunsch nach einem offenen Herz und gesundem Menschenverstand. Zum Abschluss dankte er den zahlreichen fleißigen Helfern und Unterstützern, die den Gottesdienst und den reibungslosen Ablauf der anschließenden Tour ermöglicht hatten.
Dann setze sich die Motorradkarawane mit Hunderten Maschinen jeglicher Bauart unter Leitung der Polizei in Bewegung. Erste Etappe der Rundfahrt war Joachimsthal. Es folgten Althüttendorf, Serwest, Britz und Golzow, bevor es wieder zurück nach Friedrichswalde ging.
"Im kommenden Jahr gibt es natürlich wieder einen Motorradgottesdienst", versprach er. Schwieger fährt selbst ein MZ Skorpion-Gespann und ist begeisterter Hobby-Biker. Und trotz der volksfestähnlichen Veranstaltung: "Der Höhepunkt bleibt der Gottesdienst", erklärte Schwieger.