Golzow mit seiner uralten, ewig klappernden Mühle konnte man sehen. Britz, die Kähne auf der Finow, das dunkelsatte Grün des Choriner Bogens und die schönste Kirche der Umgebung waren im Blick. Ein prächtiges Panorama "mit fast prunkvollem Rahmen" - so schwärmt der Eberswalder Chronist Rudolf Schmidt über die Aussicht vom Kaiser-Wilhelm-Turm vor 100 Jahren.
Fast fünf Jahrzehnte lang überragte der 53 Meter hohe Turm die Stadt. Im Zweiten Weltkrieg wurde er gesprengt.
"Vermutlich von deutschen Truppen", sagt Museumsmitarbeiterin Birgit Klitzke. Denn leicht hätte der markante Ort zum Ziel von Beschuss werden können. Bekannt ist das verschwundene Bauwerk aber auch heute noch. Das älteste Ausstellungsstück im Museum etwa, ein Gefäß aus der Jungsteinzeit, wurde bei der Ausschachtung gefunden. "Das Bodenmosaik dagegen war nie so im öffentlichen Bewusstsein", sagt Museologin Klitzke. Und dazu wird es wohl auch in näherer Zukunft nicht kommen.
"Wanderer hatten mir schon von den Mauerresten erzählt", berichtet Götz Herrmann, Stadtverordneter für die FDP. "Im vergangenen Jahr war dann auf einmal eine große Fläche mit dem Bodenmosaik freigelegt." Man habe sehen können, dass sich der Ort zu einem Treffpunkt von vermutlich Jugendlichen entwickelt habe, die dort Buden gebaut hätten. "Beschädigt haben sie das Bodenmosaik nicht, aber auch mal hier und da Feuerholz hinterlassen."
Natürlich, meint Herrmann, hätte man aus den Überresten des Aussichtsturmes auch wieder einen schönen Anlaufpunkt für Touristen und Eberswalder machen können. Geld dafür allerdings ist nicht da. Auch die ehrenamtlichen Geschichtsforscher vom Verein für Heimatkunde zu Eberswalde hätten keine Kapazitäten, das Kleinod im Eingangsbereich des ehemaligen Turmes komplett sichtbar zu machen.
Auf Antrag der FDP/Bürgerfraktion Barnim hin einigten sich die Stadtverordneten im Mai darauf, Bodenmosaik und Grundmauern zu schützen. So wird von dem Bodenmosaik bald nichts mehr zu sehen sein. "Der Vorschlag war, das Ganze zu übererden und so für die Zukunft zu sichern", sagt Baudezernent Gunther Prüger. Das werde in den nächsten Wochen, möglichst noch vor den Sommerferien, geschehen.
Birgit Klitzke indes hat im Museum schon mehrere Anfragen interessierter Bürger bekommen. Das Mosaik gehörte zur Gedenkhalle, da ist sie sicher. "Aber mich hat etwas stutzig gemacht", sagt sie. Denn eingearbeitet ist die Jahreszahl 1870. Der 26 Jahre später erbaute Aussichtsturm wurde zwar nach Kaiser Wilhelm II. benannt. Die Halle erinnerte aber an Gefallene der Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870/71. "Sie fielen in die Zeit von Wilhelm I., der damals noch König war." So ist die abgebildete Krone wahrscheinlich auch keine Kaiser-, sondern eine Königskrone.