Ein paar Bauwagen sind für den Moment noch da. Die letzten Gäste vom Chaos Computer Club reisten am Donnerstag ab. Nicht ohne vorher aufzuräumen. „So sauber hat noch kein Veranstalter den Platz hinterlassen“, schwärmt Klaus-Peter Kobbe, der Museumschef. „Das spricht schon für diese Leute“, meint er. „Und für ein hohes Maß an Kultur in der Zusammenarbeit.“ Die Begeisterung, die auch in Finowfurt geblieben ist, rührt allerdings kaum vom Thema Ordnung und Sauberkeit her. Gerade haben die Museumsleute schon wieder Dankesbriefe bekommen. „Das sind schon tolle Nachwirkungen, aufseiten der Veranstalter und bei uns“, meint Kobbe.
Auch wenn die Berichterstattung vom Camp in den Medien zwischenzeitlich von den Problemen mit der Enthüllungsplattform Wikileaks überlagert waren – „eigentlich war es ja dieser Geist, diese Stimmung“, beschwört der Leiter der Luftfahrthistorischen Sammlung die Euphorie der Augustwoche noch einmal herauf. Und die wurde insbesondere an den Abenden sichtbar. „Ein einziges Lichtermeer“, so Kobbe, „so was hatten wir hier noch nicht gesehen“. Mit dazu beigetragen hat unter anderem der Potsdamer Künstler Heiko Sachse. Im Museum kein Unbekannter – vor eineinhalb Jahren lieferte er zum Mauerfalljubiläum eine Performance auf dem Flugplatz. Auf dem Fahrersitz eines Jaguars und festgezurrt an einem ausrangierten Kampfflugzeug des Typs MiG 23S, ließ er sich an einem Kran in die Luft heben.
Diesmal nahm Sachse die Vergoldung einer MiG vor. Außerdem übergab der Performer Kunstobjekte ans Museum – das größte darunter eine Kombination aus einem Ferrari und einem Hubschrauber. „Wir werden uns überlegen, eine kleine Halle dafür einzurichten“, blickt Kobbe in die Zukunft. Die schrägen Objekte von Sachse könnten der Grundstock für eine neue Sammlung sein, hofft der Museumsleiter.
Nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben natürlich auch die technischen Entwicklungen, die so möglicherweise nur auf dem CCC-Sommercamp zu sehen waren. Angefangen von dem kleinen Gerät, das dem nervigen Nachbar im Hotel per Knopfdruck das Fernsehgerät abschaltet, über die Tesla-Spule, die Energie auf geheimnisvollem Wege so überträgt, dass eine Leuchtstoffröhre ohne Kontakt zu leuchten anfängt, bis hin zur Direktverbindung Erde-Mond-Afrika, die die Computerfreaks mit dem Mond als Reflexionsfläche aufbauten. Quadrokopter, die von weit her, etwa per GPS-Signal aus Frankreich gesteuert wurden, schwirrten durch die Luft.
Kobbe selbst kann noch den Diplomatic Passport vorweisen, der Besuchern des nur alle vier Jahre eingerichteten Technik-Universums ausgestellt wurde. Ungeachtet aller technischen Spielereien oder auch ernsthaften Trends haben die Museumsleute vor allem neue Erfahrungen in der Veranstaltungsorganisation abgespeichert. „Wir haben auch sehr viel gelernt, was Jugendarbeit betrifft“, ergänzt Klaus-Peter Kobbe. So habe man eine Zusammenarbeit mit der Uni Tübingen ins Auge gefasst. Dabei geht es speziell um den Bau von Modellraketen mit Schulklassen. Auch Besucher könnten mittelfristig von den Camp-Ideen profitieren. Mit einer anderen Projektgruppe hat Kobbe bereits über sogenannte Bluetooth-Verbindungen gesprochen, die ohne lästigen Audioguide Informationen zu Ausstellungsstücken übermitteln könnten.
Kostenlos sind die Neuerungen natürlich nicht zu haben. Die wichtigste Veranstaltung in der Saison hat aber auch die Museumskasse gefüllt. „Wir können wieder neue Projekte angehen.“