Michaela F. arbeitet als Servicekraft im Forßmann-Krankenhaus. Am 2. April und am 8. April musste sie Corona-Tests durchführen. Beide wurden negativ beschieden. Am 28. April erhielt sie per Post eine Mitteilung über die Regeln ihrer angeblich angeordneten Quarantäne. Diese wurde in dem Schreiben vom 13. bis zum 27. April angeordnet, endete also einen Tag vor dem Erhalt des Schreibens. Somit kamen die schriftliche Anordnung und auch die Information des Landkreises Barnim viel zu spät. In der Zwischenzeit hatten die Personen im Haushalt aber mit vielen anderen Menschen Kontakt.

Gesundheitsamt Barnim bezieht Stellung

"Die Erklärung, warum die Ordnungsverfügung verspätet ankam, resultiert mutmaßlich aus mangelndem Handeln seitens des Gesundheitsamtes", behauptet Daniel W., der Lebensgefährte der mutmaßlich Infizierten. W. hatte auch während der Quarantäne intensiven Kontakt mit F., bekam allerdings keine Anordnung. Daraufhin erstattete er Anzeige. "Es ist nicht hinnehmbar, dass eine Anordnung  nach der Inkubationszeit angeordnet wird und eine mögliche Infizierung weiterer Personen billigend in Kauf genommen wird", so die Begründung.
Seitens des Gesundheitsamtes Barnim heißt es in einer Stellungnahme dazu: "Aufgrund der zeitlichen Verzögerung durch schriftliche Anordnungen wird die Quarantäne immer mündlich im Ersttelefonat ausgesprochen. Die mündliche Anordnung ist aber einem schriftlichen Verwaltungsakt, der nachfolgt, rechtlich gleichzusetzen." Laut W. war dies hier aber nicht der Fall. Niemand habe angerufen, um eine Quarantäne anzuordnen.

Aussage gegen Aussage

Nach den Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes haben die Behörden unverzüglich die notwendigen Schutzmaßnahmen anzuordnen, um eine Weiterverbreitung der Erkrankung zu verhindern. Für W. riecht es hier nach Schlamperei. Er sagt: "Wir wissen von zwei negativen Tests. Ein dritter Test hat nie stattgefunden. Eine Anordnung von Amts wegen, die nicht ordnungsgemäß ausgeführt und ernst genommen wird, findet in der Gesellschaft in solch einer Zeit der Rezession kaum Akzeptanz und ist für die Umsetzung jedweder Maßnahmen für die Bevölkerung schwer vermittelbar. Gerade auch dann, wenn Anordnungen weder kontrolliert noch geahndet werden oder erst gar nicht rechtzeitig stattfinden, wie in diesem Fall."
Der Landkreis als übergeordnete Institution widerspricht dem Vorwurf. Eine interne Prüfung habe ergeben, dass bei Michaela F. ordnungsgemäß gehandelt wurde, so ein Sprecher. Somit gebe das Amt die rechtliche Verantwortung an einer Weiterverbreitung ab. "Es ist korrekt, dass Zuwiderhandlungen gegen die Quarantäne geahndet werden können. Auch wenn die Quarantäne mündlich ausgesprochen wird, ist sie bindend. Insofern kann eine Verbreitung nur unter Bruch der Quarantäne erfolgen", so die Antwort des Landkreises.
Daniel W. sagt, es sei nie eine mündliche Anordnung erfolgt. Der Landkreis wiederum behauptet das Gegenteil. Die Anzeige in diesem Fall ist gestellt, das Aktenzeichen liegt der Redaktion vor. Sollte es zu einem Verfahren kommen, muss der Landkreis nachweisen können, dass eine Anordnung stattfand.
Die Namen sind der Redaktion bekannt.