Es hatte sich bereits angedeutet. In den vergangenen Tagen waren mehrfach zweistellige Neuinfektionen im Landkreis hinzugekommen. Am Donnerstag elf, am Freitag 23 und am Sonnabend nun nochmal 15 Infizierte mit Corona. Das bedeutet nun 67 neue Fälle in sieben Tagen und 36,7 pro 100.000 Einwohner im Barnim. Damit ist die Obergrenze von 35 überschritten und es folgen weitere einschränkende Maßnahmen.

Krisenstab ahnt Zuspitzung schon am Samstag

Während am Samstagvormittag im Innenhof des Paul-Wunderlich-Hauses die Kulturreihe Guten Morgen Eberswalde ein breites Publikum unterhielt, habe im Gebäude bereits der Krisenstab getagt, um sich auf die absehbar zuspitzende Lage vorzubereiten, so die Kreisverwaltung in einer Pressemitteilung.
Am Sonntag um 11 Uhr dann die Gewissheit: Das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit veröffentlicht für den Landkreis eine Inzidenz von 36,17 – eine Überschreitung der kritischen Grenze um 1,17.

Was folgt nun daraus?

Nach der Umgangsverordnung des Landes Brandenburg muss der Landrat die Überschreitung zunächst amtlich feststellen und ist gezwungen per Allgemeinverfügung erste einschränkende Maßnahmen anzuordnen. Die Verfügung tritt nach Veröffentlichung in Kraft und enthält im Wesentlichen folgende Regelungen: Alle Personen ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr haben im Landkreis Barnim auf der gesamten Fläche von Märkten (z.B. Wochenmärkte, Floh- und Trödelmärkte), auf öffentlichen Gehwegen und auf Bahnhofsvorplätzen in den Eingangsbereichen zu den Bahnhofsgebäuden eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, wenn ein Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann.

Ausnahmen von der Regelung

Von dieser Verpflichtung ausgenommen sind nach wie vor beispielsweise Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sowie Personen, die als Gast in einem Gastronomiebetrieb auf öffentlichem Straßenland Platz genommen haben, und Personen, die ausschließlich einer sportlichen Betätigung (z.B. Joggen, Radfahren) nachgehen, wenn sie dabei den Mindestabstand von 1,50 Metern zu anderen Personen einhalten.

Landrat Daniel Kurth zeigt sich besorgt

Landrat Daniel Kurth, zugleich Leiter des Krisenstabes, zeigt sich besorgt: „Diese ersten Einschränkungen sind vergleichsweise noch sehr überschaubar. Die zu ergreifenden Maßnahmen ab der nächsten Stufe, also 50 Neuinfektionen in sieben Tagen, werden uns allen wieder richtig wehtun. Insofern bitte ich alle inständig, die Abstands- und Hygieneregeln ernst zu nehmen und einzuhalten. Nur so verhindern wir einen zweiten Lockdown“, appelliert Kurth. Der kritische Wert ist erreicht, wenn sich 91 Barnimer innerhalb von sieben Tagen anstecken.
Die nun kommende Allgemeinverfügung wird am Dienstag in der Märkischen Oderzeitung bekanntgegeben und tritt am Tag darauf in Kraft, heißt es seitens des Landkreises.

Aktuell fast 100 Infizierte im Barnim

97 Menschen im Barnim sind aktuell mit dem Coronavirus infiziert. Die meisten davon, 25 Personen, sind in Eberswalde gemeldet. Dahinter rangieren die Gemeinde Ahrensfelde mit 17 und Bernau mit 15 positiv getesteten. 13 Fälle gibt es in der Gemeinde Panketal und nun auch einen im bislang verschonten Amt Joachimsthal.
Die Zahl der Verdachtsfälle in Quarantäne beläuft sich auf 372. Es sind am Sonnabend 13 hinzugekommen. Seit Erfassung im Frühjahr haben sich 627 Barnimer mit dem Coronavirus infiziert.
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