Werner Forßmann hat vor 82 Jahren in Eberswalde eine Entdeckung gemacht, die seitdem vielen Menschen Tag für Tag das Leben rettet. Für die Erfindung des Herzkatheters bekam er den Nobelpreis für Medizin. Am Sonnabend wurde der Jahrestag gefeiert.
Eigentlich wollte er nach dem Abitur Kaufmann werden. Dazu sagte ihm sein Lehrer damals: „Forßmann, wenn Sie Kaufmann werden, verdienen alle Leute Geld, nur Sie nicht. Sie müssen studieren. Studieren Sie Medizin, das ist Ihre große Begabung.“ Und er tat es. Zu seinem und zum Glück vieler Menschen, deren Herzkrankheiten seitdemgeheilt werden können.
Den Nobelpreis für Medizin hat er auch erhalten. Allerdings erst im Jahr 1956, 27 Jahre nachdem er den Herzkatheter in einem riskanten Selbstversuch ausprobiert hat. Das war am Wochenende genau 55 Jahre her. Um an die bahnbrechende Entdeckung zu erinnern, gab es eine Festveranstaltung in den Räumen der Gesellschaft für Leben und Gesundheit in Eberswalde (GLG).
„Ihm sind die Ungenauigkeiten der bisherigen Herzuntersuchungen bewusst geworden“, erzählt Detlev Hoffmeister, der ärztliche Direktor der GLG. „Das Abklopfen und Abhören des Herzens hat ihm nicht mehr ausgereicht. Er entwickelte eine neue Methode – die aber allen zu riskant erschien. Weder sein Chef, noch die Patienten ließen sich darauf ein.“ Dem wissenschaftlichen Geist blieb also nichts anderes übrig, als es an sich selbst zu probieren. Er schob sich einen Schlauch über die Ellenbogenvene in die rechte Herzkammer – und beobachtete das Ganze über ein Röntgengerät.
Die Wertschätzung für seine Arbeit erhielt der Arzt erst viele Jahre später. Dann dankte man ihm aber mit dem Nobelpreis für Medizin. Er erhielt ihn zusammen mit zwei weiteren Wissenschaftlern aus den Vereinigten Staaten. Ein bisher unveröffentlichter Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm „Wiedergeburt einer Nation“ aus den 50er-Jahren zeigt Werner Forßmann bei der Übergabe des Preises.
„Seit 1901 wird der Nobelpreis für Medizin vergeben. 17 der Preisträger kamen aus Deutschland, und nur ein einziger Preis ging nach Brandenburg – und der ging nach Eberswalde, für die Entdeckung Werner Forßmanns“, so Bürgermeister Friedhelm Boginski.
Er betont die einmalige Chance, Forßmann in die Stadt zu integrieren. Forßmann und Eberswalde, das Thema wurde auch in einer Podiumsdiskussion behandelt. Dass Forßmann eine einmalige Bedeutung für die Stadt hat, darin waren sich alle einig.
Landrat Bodo Ihrke nutzte die Gelegenheit, auf die medizinischen Neuerungen hinzuweisen. Allen voran: Die komplette Modernisierung des Herzkatheterlabors im Krankenhaus. „Außerdem werden wir im nächsten Jahr eine Verdichtung im bodengebundenen Rettungsdienst haben, bei Herzinfarkten zählt jede Minute. Auch ein Rettungshubschrauber wird im nächsten Jahr in unsere Region kommen“, erzählt der Landrat.
Es ist immer noch so, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen in unserer Region die häufigste Todesursache sind. Viele der Neuerungen und das Erbe Forßmanns werden dem in Zukunft hoffentlich noch besser entgegenwirken können.